Anarchafeministische Literatur

Rosalies Gedankenfänger, Roman

Rosalie, eine junge Obdachlose, kindlich, aber auch tiefgründig in ihrer Art, ist im Gefängnis. In der Nacht hat sie von einer Großkatze geträumt und schreibt ihr, um sie auf den Weg in die Freiheit zu begleiten. Rosalie erzählt von Kuku und Gägä, ihren Freunden aus Kindheitstagen, von Rübezahl, dem obdachlosen Riesen, der für sie ein Philosoph ist, von Claire, der Straßenhure, die ihre Freundin ist, von Gargoyle, dem Jungen, den sie gerettet hat, vom Wassermann, der ihr von den Mythen der alten Griechen erzählt, von den Muränen, die sie schikanieren, von der religiösen Gefangenen, die sich ihr als Freundin aufdrängen will, von der Spinne, vor der sich alle fürchten, von der Hexe, die ihre Hilfe braucht, von der Gefängnispsychologin, der sie gerne vertrauen würde, von ihrer Mutter, die sie früh verloren hat und von dem Alligator mit dem Schnurrbart. Während des Schreibens fasst Rosalie einen für sie beängstigen Entschluss.

Online lesbar: http://umsonstladenbremen.blogsport.de/images/RosaliesGedankenfanger.pdf

Anarchafeminismus – Schwarzdruck von 2011, Edition Schwarze Kirschen

Auszug:

„Wir fühlen ein großes Bedürfnis, eine anarchafeministische Ideologie zu entwickeln, weil die Verbindung des Anarchismus mit dem Feminismus eine vollkommene Vereinigung von Prinzipien und Idealen wäre. Keine der beiden Lehren würde sich verändern oder gegen die andere verwehren müssen, denn sie entsprechen einander. Beide würden sich durch ihre Integration gegenseitig bereichern. […] Der Feminismus sieht im Patriarchat, im Kapitalismus und in der Staatlichkeit die Wurzeln aller Unterdrückung. Der Feminismus erkennt, dass alle Arten der Unterdrückung miteinander in Beziehung stehen, dass sich die persönliche, ökonomische und politische Unterdrückung in dem Leben von uns allen manifestiert. Der Feminismus bietet den anarchistischen Männern Aufschluss über ihr maskulines Erbe, welches ihre Emotionen und Ausdrucksfähigkeiten verkrüppelt. Der Feminismus gibt dem Anarchismus den Sinn für das Kreis-Förmige, für Verbindungen, die das existierende anarchistische Bewusstsein abrunden und vervollkommnen und für die menschlichen Bedürfnisse nach Schönheit, Freude und Ausdruck.“

Online lesbar: http://umsonstladenbremen.blogsport.de/images/Anarchafeminismus_2011.pdf

Lest hierzu auch unsere Auffassung von Radikalfeminismus: https://dieschoenenrosen.blog/2019/01/15/feminismus-kritik/

Findet heraus, ob Ihr Anarchist/in seid und macht unseren A-Test: https://dieschoenenrosen.blog/2019/01/31/anarchie-test/

Meine schlagfertige Klavierlehrerin

Lieb, brav, nett, geduldig, verständnisvoll, nachgiebig, sittsam, bescheiden, still und leise – so hätte die Welt uns Frauen gerne. Doch manche durchschauen diese Lebenslüge, die uns von klein auf eingetrichtert wird, irgendwann. Eine von ihnen ist meine georgische Klavierlehrerin, die mir voller Stolz und Selbstsicherheit, das moralische Recht auf ihrer Seite wissend, erzählte, wie sie ihren Asi-Nachbarn vermöbelt hatte.

Vermutlich begann es ganz klassisch mit gekränkter Eitelkeit. Hatte der Vater des besagten Nachbarn einst nach Klavierunterricht für seinen Sohnemann gefragt, hörte meine Klavierlehrerin auf ihr Bauchgefühl und lehnte mit Verweis auf mangelnde Kapazitäten ab. Irgendwann da fing es an: kein Grüßen mehr im Flur, Klopfen gegen die Wand, Tritte gegen die Tür, Beleidigungen. Laute Rap-“Musik“, die von der üblen Sorte, mit der er das ganz Haus volldröhnte. Und immer dann auf Anschlag, wenn sie Klavier spielte. Einmal erwischte sie ihn auf frischer Tat, als er gerade Wasser an ihre Tür geschüttet hatte. „Was willst du Schlampe?!“ stammelte er den Eimer noch in der Hand haltend. So forderte der Querulant über einige Monate sein Schicksal heraus. Naiv in der Annahme, die Kleine von nebenan würde sich ohnehin nicht wehren – so wie er es von seiner Freundin gewohnt war. Falsch gedacht.

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Paranoide Schizophrenie – der patriarchale Wahnsinn

Ein Nachruf auf meinen Vetter und eine Gesellschaftskritik

Kürzlich verstarbst Du, mein Cousin. Du littst unter paranoider Schizophrenie. Oder war es doch eher unsere kaputte Gesellschaft, das Patriarchat, was Dich erst Deinen Verstand und dann Dein Leben kostete? Dein Tod hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe versucht, mir Dein Verhalten zu erklären.

Du warst ein lebensfroher Typ, Partygänger, immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Und ein Mädchenschwarm, der keine Gelegenheit ausließ, so kam es mir vor. Dass der frühe Tod Deines Vaters Dich verletzlich gemacht hatte, ahnte ich damals noch nicht.

Deine Erkrankung kam schleichend. Nicht lange nach der Geburt Eurer Tochter, trennte sich Deine Freundin von Dir. Da hatte sich Dein Wesen für sie wohl schon merklich verändert. Du unterstelltest ihr, Dich betrogen zu haben. Das Kind sei gar nicht von Dir. Sprach da die tief sitzende Angst eines Mannes, zum Gespött der Leute zu werden als gehörnter Depp mit einem untergeschobenen Kuckuckskind?

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Der A-Test

  1. Möchtest Du, dass andere über Dich bestimmen?
  2. Möchtest Du über andere bestimmen?

Wenn Du die ersten beiden Fragen mit nein beantwortet hast, kannst Du schon nach unten zur Auswertung scrollen.

  1. Bist Du ausgeschlafen, wenn morgens der Wecker klingelt?
  2. Gehst Du schlafen, wann Du willst?
  3. Fährst Du gerne zur Arbeit, auch wenn’s kalt oder noch dunkel ist, regnet, stürmt oder schneit?
  4. Hältst Du Dich auch bei schönem Wetter gerne in/an Deiner Arbeitsstätte auf?
  5. Findest Du Deine Arbeit sinnvoll und notwendig?
  6. Macht Dir Deine Arbeit Spaß?
  7. Erledigst Du gerne die Aufträge Deiner Vorgesetzten?
  8. Würdest Du Deine Arbeit genauso erledigen, wenn Du allein darüber bestimmen könntest?
  9. Hast Du Deinen Traumberuf bekommen? Wenn ja, erfüllt er auch in der Realität Deine Vorstellungen? Wird er auch nach zwanzig Jahren Berufsausübung noch Dein Traumberuf sein?
  10. Kannst Du bei Deiner Arbeit Deine Interessen, Dein Können, Dein Wissen, Deine Ideale frei entfalten? Wenn nein, hast Du nach der Arbeit genügend Zeit für Deine Interessen und Hobbies?
  11. Würdest Du faul in der Hängematte liegen, wenn es ab morgen keinen Arbeitszwang mehr gäbe?
  12. Befindet sich Deine Arbeit (nahe) an Deinem Wunschwohnort?
  13. Denkst Du, dass Fleiß und Redlichkeit Garanten für Karriere, Erfolg und Reichtum sind?
  14. Fühlst Du Dich vom Staat gut behandelt, beschützt und umsorgt?
  15. Findest Du, dass der Staat alleinerziehende Mütter, Kinder, Rentnerinnen, chronisch Kranke, Behinderte, Traumatisierte, Arbeitslose etc. gut behandelt, beschützt und umsorgt?
  16. Hast Du das Gefühl, existentiell abgesichert zu sein?
  17. Erledigst Du gerne Behördengänge/Bürokratisches (Anträge stellen, sich registrieren lassen, Steuererklärung abgeben, Konto eröffnen, Versicherung abschließen, alte Unterlagen aussortieren und vernichten usw.) oder findest Du sie zumindest sinnvoll und notwendig?
  18. Gehst Du davon aus, dass die Vergewaltigungsrate anstiege, wenn Vergewaltigung ab morgen nicht mehr verboten wäre? Wenn ja, denkst Du dann auch, dass Bordelle notwendig sind, damit Männer sich dort abreagieren können?
  19. Würdest Du anderen Menschen Gewalt antun, wenn es ab morgen nicht mehr verboten wäre, es keine Polizei und Gerichte mehr gäbe?
  20. Denkst Du, andere aus Deinem Bekanntenkreis würden dies tun?
  21. Denkst Du, dass ein schlechter Charakter/Bösartigkeit angeboren ist?
  22. Findest Du, dass einflussreiche Frauen wie die Regierungschefinnen Margaret Thatcher oder Angela Merkel, die Großunternehmerin Susanne Klatten (BMW) oder Richterinnen wie Maddalena Fouladfar (Fall Kristina Hänel, §219a) die Welt verbessert haben/verbessern?
  23. Löst Konsum eine länger anhaltende Zufriedenheit bei Dir aus?

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Untervögelt oder unterbelichtet? *

Wann immer es Frauen wagen, gegen patriarchale Auswüchse aufzubegehren – insbesondere, wenn es um Sexualität geht –, bellen die getroffenen Hunde zurück mit „Ihr seid ja nur zu prüde/frigide“, „Ihr braucht mal ’nen Schwanz zwischen die Beine“, „Ihr müsst mal richtig durchgefickt werden“ oder eben in der neuen, etwas keckeren Variante „Ihr seid untervögelt“. So wie neulich auf der facebook-Seite des Fußballvereins SV Oberwürzbach. Der Verein wollte sich von einem Pornofilm-Produzenten sponsoren und hierzu den Namen der Hauptdarstellerin auf seine Trikots drucken lassen und handelte sich damit heftige Kritik ein. Dass es in dieser Reihe einen Film gibt mit dem Titel „Inzest – Papa dein Schwanz ist zu groß“, setzte dem ganzen die Krone auf.

Von Unrechtsbewusstsein keine Spur, stattdessen die Infragestellung oder vielmehr das Absprechen eines intakten Sexuallebens der Kritikerinnen.

Ihr getroffenen Hunde wollt den Status „untervögelt“ also einreihen in ‚unterernährt‘, ‚unterwässert‘, ‚unterkühlt‘, ‚übermüdet‘ oder ‚unterversorgt‘ mit Luft und Liebe – alles potentiell lebensbedrohliche Zustände. An Sexmangel ist aber, soweit mir bekannt, noch niemand gestorben. Doch es ist schon klar, was Ihr uns mit „untervögelt“ sagen wollt: dass wir Menschen sind, die wegen Sexmangels schlecht gelaunt sind, sich über Kleinigkeiten aufregen, chronisch unzufrieden und nörgelig, vielleicht sogar hysterisch sind – Frustrierte eben. Mal davon abgesehen, dass mir tagtäglich sehr viele solcher Leute begegnen und die Menschheit demzufolge schon so gut wie ausgestorben sein müsste, kann ich dazu nur sagen: Besonders beglückend ist das Leben für Frauen im Patriarchat auch nicht. Die Frage lautet insofern: Bin ich wenigstens selbstbestimmt „untervögelt“ oder fremdbestimmt „be-vögelt“? Habe ich lieber keinen Sex oder schlechten?

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Staatskritik auf feministisch

Warum Feminismus nur Revolution, nicht Reform bedeuten kann

Was muss eigentlich noch alles passieren, damit wir Frauen endlich auf den Trichter kommen, dass der Staat nicht unser Freund, sondern unser Feind ist, eine Erfindung von Patriarchen? Dass die parlamentarische Demokratie eine Verhohnepipelung und eben nicht die fortschrittlichste Form des Zusammenlebens darstellt? Damit wir aufhören, an eine Institution zu appellieren, die die Probleme verursacht und sie nicht gleichzeitig lösen kann? Ist es nicht so, dass staatliche Regelungen und Gesetze Ungerechtigkeiten zementieren, legalisieren, unerwähnt lassen oder nur unzureichend ahnden? Ist es nicht so, dass ein Großteil der deutschen Gesetze sich z.B. mit Besitz und Eigentum befasst – also dem Urpatriarchat? Gleichen Staatsapparate insofern nicht eher einem Herrschaftsinstrument als einem System für Recht und Gerechtigkeit? Ist es dann nicht naiv, zu glauben, ein patriarchal-hierarchisch organisiertes Konstrukt ließe sich feministisch reformieren, wenn alle Ebenen paritätisch mit Frauen besetzt werden? Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Natürlich ist es besser, ein Scheiß-System etwas weniger scheiße zu machen, einen Sklaven nur noch dreimal zu peitschen statt zehnmal. Aber ist es das, was wir wollen? Am besten wäre doch: gar keine Sklaverei, gar kein Scheiß-System!

Trotz Frauenwahlrecht noch Patriarchat
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Frausein kann Mann sich nicht aussuchen

Warum die Bewegung der Transsexualität keine freiheitliche, sondern eine rückwärtsgewandte, bisweilen sogar frauenfeindliche ist

Wie wir bereits an anderer Stelle schrieben, solidarisieren wir uns mit allen, die unter dem System Patriarchat leiden und es revolutionieren wollen. Wir nehmen uns freilich das Recht heraus, unsere bisherigen Errungenschaften gegen eine feindliche Übernahme zu verteidigen, uns als größte, eigenständig unterdrückte Menschengruppe auf diesem Planeten zu definieren, uns selber ernst zu nehmen und nicht patriarchatslike erstmal alle anderen zu retten und dann uns selbst. Wir Frauen werden auf diesem Planeten nicht unterdrückt, weil wir uns als solche fühlen, sondern weil wir eine Scheide haben und keinen Penis.

Soziale Rollenzuweisung (gender) ist nicht gleich biologischem Geschlecht (sex)

Ihr Trans-AktivistInnen leidet, aber anstatt zu zerstören, was Euch kaputt macht, erneuert Ihr es in anderer Zusammensetzung und fallt uns Radikalfeministinnen in den Rücken. Euch geht es nicht um Revolution, sondern um Individualität. Weil es der bequemere Weg ist, sich selber anzupassen an eine Gesellschaft als andersherum. Lange Haare, Schminke, Nagellack, Röcke, Kleider oder Hackenschuhe machen aus Frauen keine Frauen und aus Männern auch nicht. Sowie ein breitschultriger Gang, Kurzhaarschnitte, Hosen, unrasierte Beine oder Kampfeslust Männer nicht zu Männern machen und zu Frauen auch nicht. Sie bedienen lediglich altbackene, freiheitsraubende Geschlechterrollenzuweisungen. Diese subtrahiert, bleiben von Frau und Mann nicht viel mehr übrig als Scheide und Penis. Nicht länger auf ein schmuckes, herausgeputztes Beiwerk, das die Klappe hält, reduziert zu werden, sondern als ungeschminkter Mensch mit eigener Meinung Anerkennung zu finden, das war und ist nach wie vor ein kräftezehrender Kampf für Frauen. Die Rückeroberung der Hose für Frauen war ebenso ein langer, schwerer Kampf, der in einigen Teilen der Erde immer noch nicht ausgefochten ist bzw. erneut geführt werden muss (siehe Provinz Aceh in Indonesien). Die Frauen, die sich vor rund 150 Jahren nicht länger Kleidervorschriften unterwerfen wollten, haben sich aber mitnichten als dem anderen Geschlecht zugehörig, also als Männer, identifizieren wollen so wie Ihr es jetzt tut, sondern bestanden „lediglich“ auf freie und bequemere Klamottenwahl.

Der Transphobie-Vorwurf ist patriarchal und frauenfeindlich
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Aufgeklärt – Göttin sei Dank

Eine Religionskritik

Religionen schaffen geistige Gefängnisse. Sie sind eine bösartige Erfindung von Eliten, um uns zu manipulieren, einzuschüchtern, zu kontrollieren, zu beherrschen; ein Produkt des Patriarchats. Religion ist Opium fürs Volk, also ein Betäubungsmittel, das Menschen fügsam machen soll, das Menschen davon abhalten soll, ihr Leben zu hinterfragen und Widerstand zu leisten gegen ihre Fremdbestimmung. Religionen sind irdisch, nicht göttlich. Sie sind die Feindinnen der Aufklärung und des gesunden Menschenverstandes und allesamt der Gleichberechtigung. Glauben ist Privatsache.

Radikalfeminismus heißt Atheismus

Wir haben nichts gegen Spiritualität. Sie kann helfen, mit Dingen umzugehen, die man nicht versteht, Halt geben in schwierigen Phasen. Wir haben auch nichts dagegen, die Schönheit der Natur als etwas Göttliches zu preisen, im Gegenteil. Im Gegensatz zu Religionen ist beides aber nicht institutionalisiert, nicht autoritär. Mehr haben wir zu diesem Religionsschmonzes nicht zu sagen und verweisen auf eine Rede des Religionskritikers Philipp Möller: https://www.youtube.com/watch?v=PV8tUv-6X8Q

Sonderfall Kopftuch
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Sex gegen Geld?

Eine radikalfeministische Kritik der Prostitution

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit, da schimpften sie Feministinnen prüde und frigide, wenn sie dem Sex, den sie nicht erfüllend fanden, entsagten. Das waren vor allem Männer. Heute heißt das „sex-negativ“ und kommt vor allem von Frauen, die sich absurderweise Feministinnen nennen. Alter Wein in neuen Schläuchen. In der Regel geht es um das Thema Prostitution, wenn dieses Wort bzw. sein Antidot fällt. Prosti… äh Sexarbeit heißt es heutzutage, sei eine „sex-positive“ Sache. Dann sollten wir vielleicht das Wort Sex definieren: Heißt das, zwei Menschen haben Bock auf einander und beide kommen auf ihre Kosten – im Sinne sexueller Befriedigung? Oder bedeutet Sex, dass Sexualität zur käuflichen Ware wird, die mehrheitlich Männer kaufen und Frauen verkaufen, bei der es um die sexuellen Wünsche des Zahlenden geht, während die Bezahlte ein Theater sexueller Lust vorspielt? Was an letzterem „positiv“ sein soll – außer vielleicht der Test auf mittlerweile antibiotikaresistente Gonokokken oder das HI-Virus –, erschließt sich uns nicht.

Prostitution als sexistischer Grundpfeiler des Patriarchats

Bei keiner anderen gewerblichen Tätigkeit gehören Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaften bzw. Abtreibungen zum Berufsrisiko. Es gibt auch keine andere berufliche Tätigkeit – von Medikamententestern abgesehen –, die im Körper stattfindet, die ein derart einseitiges Geschlechterverhältnis zwischen Kundschaft und Anbietenden aufweist oder die Menschenhändlern Multimilliardengewinne beschert. Gibt es irgendwelche anderen Berufstätigen, deren Biographien derart gesäumt sind von Gewalterfahrungen und für die Drogenmissbrauch eine Grundvoraussetzung zur Berufsausübung darstellt? – Soldaten nach Kriegseinsätzen vielleicht. Und was sagt es uns, wenn in Militärstützpunkten als erstes eine Sex-Infrastruktur für die Soldaten eingerichtet wird? – Der (Ver-)Kauf der Sexualität, des intimen Kerns eines Menschen, ist das Gegenteil von „positivem“ Sex: Es ist die Benutzung eines fremden Körpers zur eigenen Befriedigung, eine bezahlte Vergewaltigung – der Gipfel des Kapitalismus, das Fundament des Patriarchats. Prostitution macht Frauen zu Huren und Heiligen, Männer zu triebgesteuerten Vergewaltigern ohne Kontrolle über sich – sie entmenschlicht. Egal, welchen Namen man ihr gibt.

Liberalfeminismus als Gehilfe der Sex-Industrie
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Es kann nur einen Feminismus geben – und der ist radikal

Ein Feminismus, der nicht radikal bis an die Wurzel geht, ist für uns kein vollendeter, weil er nicht konsequent ist. Wer den Radikalfeminismus konsequent zu Ende denkt, landet bei der Anarchie, die eben nicht verleumderisch Chaos bedeutet, sondern Freiheit und Selbstorganisation ohne Autoritäten.

Wir möchten das Übel, das uns unserer Freiheit beraubt, an der Wurzel packen, das Patriarchat, das hierarchische Herrschaftssystem, das uns gefangen hält, nicht leugnen, nicht schön reden, nicht reformieren, sondern abschaffen. Des Übels Wurzel, das ist für uns die Sexobjektifizierung von Mädchen und Frauen; das sind korsettartige, einengende gesellschaftliche Rollenzuschreibungen für Frauen, aber auch für Männer; das ist für uns die Religion, die als Gegnerin der Aufklärung Menschen verblödet und unterwirft; das ist für uns der selbsternannte Staat, der Ungleichheit nur da beendet, wo es der Elite nicht grundlegend schadet, sie ansonsten aber zementiert und stetig erneuert und uns das als Rechtmäßigkeit verkaufen will; das ist für uns die Entwertung von Tieren und ihren Lebensräumen, was die Menschheit verrohen lässt, sie von der Natur entfremdet und ihre eigene, also unser aller Lebensgrundlage zerstört.

Wir solidarisieren uns mit allen, die ebenfalls unter diesem Herrschaftssystem leiden und es revolutionieren wollen, solange sie die Unterdrückung der Frauen (ohne * als eigenständige Gruppe) anerkennen. Wer uns Idealismus und Realitätsferne vorwirft, dem sagen wir: Du hast kapituliert vor dem Unrecht. Du richtest es Dir gemütlich oder zumindest erträglich ein in einem Scheiß-System, weil Du privilegiert oder noch nicht gründlich genug auf die Schnauze gefallen bist, weil Du Unangenehmes ausblendest. Du bist unsolidarisch mit denen, die auf der Hierarchie-Leiter unter Dir stehen. Du betrügst Dich und schadest Dir selber, weil Du Dein Mitgefühl verloren, Deine Menschlichkeit ein Stück weit aufgegeben hast. Es mangelt Dir an Phantasie und geschichtlichem Wissen. Denk‘ mal groß! Das Leben könnte so schön sein wie eine Rose, wenn nur das Patriarchat nicht wäre.