Der A-Test

  1. Möchtest Du, dass andere über Dich bestimmen?
  2. Möchtest Du über andere bestimmen?

Wenn Du die ersten beiden Fragen mit nein beantwortet hast, kannst Du schon nach unten zur Auswertung scrollen.

  1. Bist Du ausgeschlafen, wenn morgens der Wecker klingelt?
  2. Gehst Du schlafen, wann Du willst?
  3. Fährst Du gerne zur Arbeit, auch wenn’s kalt oder noch dunkel ist, regnet, stürmt oder schneit?
  4. Hältst Du Dich auch bei schönem Wetter gerne in/an Deiner Arbeitsstätte auf?
  5. Findest Du Deine Arbeit sinnvoll und notwendig?
  6. Macht Dir Deine Arbeit Spaß?
  7. Erledigst Du gerne die Aufträge Deiner Vorgesetzten?
  8. Würdest Du Deine Arbeit genauso erledigen, wenn Du allein darüber bestimmen könntest?
  9. Hast Du Deinen Traumberuf bekommen? Wenn ja, erfüllt er auch in der Realität Deine Vorstellungen? Wird er auch nach zwanzig Jahren Berufsausübung noch Dein Traumberuf sein?
  10. Kannst Du bei Deiner Arbeit Deine Interessen, Dein Können, Dein Wissen, Deine Ideale frei entfalten? Wenn nein, hast Du nach der Arbeit genügend Zeit für Deine Interessen und Hobbies?
  11. Würdest Du faul in der Hängematte liegen, wenn es ab morgen keinen Arbeitszwang mehr gäbe?
  12. Befindet sich Deine Arbeit (nahe) an Deinem Wunschwohnort?
  13. Denkst Du, dass Fleiß und Redlichkeit Garanten für Karriere, Erfolg und Reichtum sind?
  14. Fühlst Du Dich vom Staat gut behandelt, beschützt und umsorgt?
  15. Findest Du, dass der Staat alleinerziehende Mütter, Kinder, Rentnerinnen, chronisch Kranke, Behinderte, Traumatisierte, Arbeitslose etc. gut behandelt, beschützt und umsorgt?
  16. Hast Du das Gefühl, existentiell abgesichert zu sein?
  17. Erledigst Du gerne Behördengänge/Bürokratisches (Anträge stellen, sich registrieren lassen, Steuererklärung abgeben, Konto eröffnen, Versicherung abschließen, alte Unterlagen aussortieren und vernichten usw.) oder findest Du sie zumindest sinnvoll und notwendig?
  18. Gehst Du davon aus, dass die Vergewaltigungsrate anstiege, wenn Vergewaltigung ab morgen nicht mehr verboten wäre? Wenn ja, denkst Du dann auch, dass Bordelle notwendig sind, damit Männer sich dort abreagieren können?
  19. Würdest Du anderen Menschen Gewalt antun, wenn es ab morgen nicht mehr verboten wäre, es keine Polizei und Gerichte mehr gäbe?
  20. Denkst Du, andere aus Deinem Bekanntenkreis würden dies tun?
  21. Denkst Du, dass ein schlechter Charakter/Bösartigkeit angeboren ist?
  22. Findest Du, dass einflussreiche Frauen wie die Regierungschefinnen Margaret Thatcher oder Angela Merkel, die Großunternehmerin Susanne Klatten (BMW) oder Richterinnen wie Maddalena Fouladfar (Fall Kristina Hänel, §219a) die Welt verbessert haben/verbessern?
  23. Löst Konsum eine länger anhaltende Zufriedenheit bei Dir aus?

Auswertung:

Wenn Du die ersten beiden Fragen mit nein beantwortet hast, bist Du AnarchistIn. Jedes Lebewesen auf diesem Planeten möchte frei sein in seinem Handeln und Tun und in seiner Bewegung. Das ist ein natürliches Grundbedürfnis. Eigentlich sind wir alle von Natur aus anarchistisch. Und die Menschheitsgeschichte hat gezeigt, dass menschliche Individuen allein nicht überlebensfähig sind, sondern nur in Gemeinschaften, soziales Verhalten somit lebensnotwendig ist.

Die weiteren Fragen dienen eigentlich nur zur Reflexion der alltäglichen Fremdbestimmung, die uns widerfährt und die für uns so zur Normalität gehört, dass wir sie nicht mehr also solche erkennen. Das größte Bewusstseinsmanko sehen wir bei der vertraglich geregelten Arbeit. Unsere Vorfahrinnen haben uns Frauen den Zugang in jene Arbeitswelt unter schweren Verlusten hart erkämpft. Dank ihnen haben wir mehr Wahlfreiheit in der Unfreiheit; ein Fortschritt ja, ein Befreiungsschlag nein. Die marktregulierte Arbeit basiert auf einem menschengemachten wirtschaftlichen Zwang – ohne Geld kein Leben. Sie zwingt uns einen Biorhythmus auf, der nicht unser ist. Sie beschränkt uns auf monotone Tätigkeiten. Sie unterdrückt die freie Entfaltung vielseitiger Interessen und Fähigkeiten, die jeder Mensch hat und die sich im Laufe des Lebens wandeln. Sie nötigt uns, Dinge zu tun oder zu unterlassen, die andere uns vorgeben. Sie unterdrückt unseren eigenen Willen, unsere eigene Überzeugung, unsere eigene Motivation. Sie schreibt uns vor, wo wir zu wohnen haben. Sie teilt uns je nach Anerkennung der Tätigkeit und Berufssparte in Klassen. Sie macht aus uns und unseren Mitmenschen Konkurrenten, Gebieter und Abhängige. Sie raubt uns unsere Lebenszeit. Sie kostet uns unser Leben: Allein in Deutschland gab es 2017 laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung 451 tödliche Arbeitsunfälle plus 280 tödliche Wegeunfälle. Sie sind im Vergleich zu Mord und Totschlag, denen im selben Jahr 731 Personen zum Opfer fielen, nicht in der Kriminalstatistik aufgeführt, Kollateralschäden sozusagen. Von chronischen Erkrankungen ganz zu schweigen. Natürlich muss der Acker auch ohne vertraglichen Arbeitszwang bestellt, die Ernte eingefahren werden. Der Großteil unserer Arbeit ist aber unnütz, weil er nicht dem Erhalt des Lebens dient, sondern der Reichtumanhäufung und -verwaltung einiger weniger. Und ist es nicht ein Unterschied, ob ich eine gefährliche Tätigkeit aus ökonomischem Zwang heraus machen muss oder aus freien Stücken begehe nach selbst eingeschätztem Risiko ohne Zeitzwang – time is money – ohne Vorgesetzten, der Druck und Angst macht, und weil ich selber sie für notwendig halte? Der Volksmund weiß: Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt!

Den zweiten blinden Fleck sehen wir bei der Einschätzung des Staatswesens. Staaten sind für uns nicht die Lösung, sondern die Ursache von Ungerechtigkeit. Staatsapparate sind eine Erfindung von Patriarchen. Auch in der angeblich fortschrittlichsten Staatsform, der Demokratie, waren Frauen anfänglich ausgeschlossen. Kann daraus etwas Gutes erwachsen? Der Staat ist einer, der beleidigt reagiert, wenn jemand gegen seine Spielregeln verstößt, die er allen autoritär aufdrückt. Er ist einer, der Reichtum und Armut zementiert und legalisiert, der Menschen in Lohnsklaverei hält und ihnen hinterhältig Angst macht, um von seinen eigenen Schandtaten abzulenken und um sich selbst nicht zu gefährden: ‚Wenn es mich nicht mehr gibt, dann herrschen Chaos und Unordnung, dann schlagt ihr euch doch gegenseitig die Köpfe ein!‘ – als wäre genau das nicht der aktuelle Zustand. Der Staat verhindert keine Verbrechen, er erzeugt sie und bestraft sie. Manche Verbrechen benennt er auch einfach in Recht um und legalisiert sie. Staaten sind hierarchisch organisierte Konstrukte und hierarchische Systeme korrumpieren Männer wie Frauen. Deshalb sehen wir keinen Sinn darin, einen Feminismus aufrechtzuerhalten, der zum Ziel hat, Frauen auf mächtige Posten zu hieven, anstatt Macht zu bekämpfen. (Eine ausführlichere Staatskritik findet Ihr unter ‚Positionen – Staatskritik auf feministisch‚.)

9 Kommentare zu „Der A-Test

    1. Einen Masterplan dafür gibt es wohl nicht. Aber, um es in Alexander Berkmans Worten zu sagen: ‚Die Idee ist entscheidend‘: „Es ist der Glaube der Leute, der Massen, dass die Regierung notwendig sei; es ist die allgemein akzeptierte Idee, dass es ohne Regierung nicht gehe. […] Das gleiche gilt für das Privateigentum. […] Wenn sich der Verstand der Menschen erweitert und entwickelt, wenn sie neue Ideen entwickeln und das Zutrauen zum alten Glauben verlieren, so verändern sich die Einrichtungen sofort oder sie verschwinden sogar. Die Leute beginnen zu verstehen, dass ihre alten Ansichten falsch waren, dass sie nicht Wirklichkeit, sondern Voreingenommenheit und Aberglaube waren.“ http://www.packpapierverlag.de/?product=berkmann-die-idee-ist-entscheidend

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, das ist eine interessante Fragestellung, ob wir eine Regierung brauchen. Mein Bild auf die Menschheit ist eher negativ, dass sich die Gesellschaft schützen muss. Aber gerade in der jetzigen Gesellschaft können wir gut beobachten, dass gerade in Hinblick auf die soziale Gerechtigkeit der Schutz nicht gegeben wird. Es häuft sich der Eindruck, dass es mittlerweile völlig egal ist, wer reagiert, am Ende entscheidet das Kapital.
        https://haimart.wordpress.com/2019/02/04/vergraute-farben/

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