An die Ahnen (Gedicht)

Triggerwarnung: Das folgende Gedicht enthält Passagen esoterischen Geschwurbels und historischer Andeutungen, die für zart besaitete politisch Korrekte nicht geeignet sind und Pawlowsche Reflexe hervorrufen können.

An die Ahnen (angelehnt an Brechts1 'An die Nachgeborenen') 

Hinzugelernt aus der Geschicht' haben diesmal die Faschisten.
Die Diktatur kommt bunt daher 
im G'wand von Menschenrechten.
Geblieben ist die alte Losung:
Markiert die Guten und die Schlechten.

Statt einer Binde für den Arm, eine Binde für den Mund
in leuchtend Regenbogenfarben.
Ein grüner Punkt für Schüler*innen
ein Farbarmband im Freizeitpark
ein Sticker für den Supermarkt. 

Wer rein darf, steht am Eingang nun,
nicht, wer draußen bleiben muss. 
Die Selektion läuft andersrum
klingt freundlicher, nicht ganz so dumpf.
Gesund - der neue Volksverräter.

Wie ein Geschlecht fühlen ist okay – sich gesund fühlen ist passé.
Test und Impfen machen frei
Lockdown für Ungeimpfte.
Freiheit hat halt ihren Preis. 
Und Jede* gilt das *.

Gemahnt, gewarnt, die Lügen enttarnt.
Es ist alles gesagt von denen
die ihr Hirn nicht ließen waschen 
die sich bewahrten 
ihren Anstand und Instinkt. 
Vergebens – mit der großen trägen Masse
nimmt das Unheil seinen Lauf. 

Nun ist's an Euch, Ihr weisen Ahnen:
Sucht sie heim in ihren Träumen
raubt ihn'n den unverdienten Schlaf!
Wer nicht spurt, der soll nicht essen (sagen sie)
wer nicht wach ist, soll nicht ruh'n. (sagen wir)
Weckt sie auf, die ach so Woken, aus der fake-Solidarität.

Seid der Dorn in ihrem Auge
wenn sie vom Ungeheu'ren 
abwenden ihren Blick.
Seid der Knick in ihrer Optik der neuen Normalität.

Seid ihr Ohrwurm - penetranter
als die Pharma-Propaganda
wenn sie willentlich überhören 
das Hilfgesuch der Kinder.

Seid der Rotz in ihren Nasen
wenn sie nicht wittern wollen Gefahr. 

Seid der Kloß in ihrem Hals
bei ihrem gleichgültigen Schweigen
über diese Tyrannei. 

Seid der Dreck unter den Rändern
wenn sie waschen sich in Unschuld.

Seid der Stein in ihrem Schuh
wenn sie folgen in Gehorsam.

Seid der Stein auf ihrem Herzen
der erst fällt mit ihrer Maske
bis das Bravsein überwunden
und das Nein-Sagen gelernt. 

Seid der Stein in ihrem Magen
das Gift in ihrer Galle, die Laus auf ihrer Leber
wenn sei verdauen wollen all die Schmach
ihrer untätigen Art
zu handeln.

Beschwert sie, seid die Last auf ihren Schultern
die sich unaufrecht wegducken. 
Lasst verbrannte Hexen ins Hohlkreuz jener schießen 
wo kein Rückgrat je vorhanden. 

Seid die Pein im Arsch des Untertans,
der Denunzianten und Blockwarte
mit ihrem vernagelten Gemüt.

Seid die Ratten an ihrem Sack
wo keine Eier baumeln.
Schöne Grüße von Saint Boy2. 

Seid die Luft in ihr'm Gebälk
wenn sie woll'n leise sich entsagen 
ihrer Verantwortung im Argen. 

Seid der Plagegeist im Nacken
der ins Gewissen ihnen beißt
wenn sie vergessen was vergangen.

Seid der Stachel im Sitzfleisch ihrer Bequemlichkeit.
Seid die Wanze und die Krätze
in ihrem dicken Fell der Feigheit. 

Bis sie wach sind A L L E und verweigern den Befehl.
Dann kann endlich der Mensch dem Menschen ein Helfer sein.
Und gedacht wird Eurer
mit Dankbarkeit. 


Anmerkungen:
1Bertolt Brecht war nicht gerade ein radikalfeministischer Anarchist, schrieb aber bisweilen ganz gute Gedichte. 
2Saint Boy ist (war?) ein kastriertes Springpferd, das bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio trotz Malträtierungen durch Reiterinnen und Trainerin den Parcours verweigerte. 

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