Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 16

Teil 16 – Alte Freundschaften

Sie hatten sich schon seit mehreren Jahren auseinander gelebt. Mittlerweile beschränkte sich ihr Kontakt nur noch auf Geburtstagsgratulationen. Bei den letzten Treffen in ihrer Lieblingskneipe gerieten sie meist beim Thema Prostitution aneinander. Er vertrat die „unspießige“, neoliberale Position vom ‚Beruf wie jeder andere‘, sie die abolitionistische. Er empfand das als Streit, sie als Diskussion. Wenn er bessere Argumente hatte, sollte er sie doch vorbringen. Mittlerweile war er Vater einer Tochter. Ob er seine Position immer noch so vertreten würde?

Auf ihre letzte längere Email hatte er schon nicht mehr geantwortet. Da hatte er sich zuvor bei ihr über chronische Beschwerden ausgelassen. Sie fragte vorsichtig an – und das sollte unter Freunden doch eigentlich normal und möglich sein, vor dem Hintergrund hoher Trennungsraten und der ewigen Liebe als patriarchaler Illusion sowieso -, ob seine Symptome möglicherweise etwas mit Beziehungsproblemen zu tun haben könnten. Er reagierte sehr gereizt. Dabei war er damals in der Kennlernphase mit den ersten Rendezvous unzufrieden gewesen, bezeichnete seine Auserwählte verschämt als „langweilig“. Später revidierte er das, er habe wohl Angst vor der Nüchternheit gehabt. Sie fand seine Freundin sympathisch, viel natürlicher als seine vorherigen. Aber auch sehr still, keine Person, mit der man mal richtig streiten kann. Sie waren nun schon einige Jahre zusammen. Als er berichtete, dass er bald Vater würde, sprach er über sein Kind von einem „Projekt“. Das fand sie befremdlich.

Rückblickend würde sie sagen, hatten sie sich deshalb immer weiter von einander entfernt, weil sie sich innerlich immer weiter vom System abwendete, es überhaupt als solches erkannt und hinterfragt hatte, während er auf der Karriereleiter immer weiter emporstieg, mit all den Opfern, die das mit sich bringt, vor allem des Sich-Verbiegens. Sich der Mehrheitsmeinung der elitären Zugehörigkeitsgruppe anschließen, um nicht aufzufallen oder gar anzuecken. Während sie es darauf ankommen ließ, ihre langjährige Stelle zu verlieren, den Systemwahnsinn, der nun in Corona gipfelte, nicht mehr ertragen könnend, bekam er seine erste Vertretungsprofessur. Nicht nur das, sondern auch mediale Aufmerksamkeit, wie sie im Netz erfuhr, als sie der Neugier halber nach ihm googelte. Corona brachte ihm die Möglichkeit, sein Schwerpunktthema bekannter zu machen, um nicht zu sagen, zu vermarkten. Ganz ehrlich: Sie konnte ihm inhaltlich nicht mehr folgen, vermisste darüber hinaus in seiner Darbietung jegliche Natürlichkeit, empfand sie stellenweise als latent aggressiv und überheblich, weil zu sehr bemüht, gerade nicht arrogant zu wirken. Belege für seine Standpunkte: Fehlanzeige. Ein Wiederkäuen lauter Mainstream-Plattitüden, nicht wissenschaftlich, sondern abgehoben, unter seinem Niveau. Nicht kritisch, sondern regierungstreu bis ins Mark. Is‘ doch alles ganz easy mit dem Lockdown, wird schon seine Richtigkeit haben, sollten uns doch alle mal entspannen und nicht so misstrauisch sein. Sogar Staatsgewalt euphemisierte er. Besonders dreist fand sie: Er hatte sein Lebtag viel geraucht, wer weiß wie viele fremder Leute Lungen in geschlossenen Räumen vollgequalmt, von seiner starken Gewichtszunahme ganz zu schweigen – und nun sollten andere Menschen für ihn Masken tragen?! Sein Vortrag endete mit einem verschmitzten Lächeln und einem leicht abgewandelten berühmten Zitat eines totalitären Staatsmannes. Dafür bekam er sogar – oder vielmehr eben deswegen? – einen Preis. Sei ihm jeder Preis gegönnt für gute wissenschaftliche Abhandlungen. Aber dafür? Für diese Art von Preisen war er doch eigentlich auch schon zu alt und zu weit fortgeschritten in seiner Laufbahn. Das roch sehr nach politisch motivierter Auszeichnung.

Sie überlegte lange, ob sie ihn kontaktieren, ihm ins Gewissen reden sollte, mit den Fakten konfrontieren, die schon lange auf dem Tisch lagen. Nicht zuletzt für seine Tochter. Was sollte diese später einmal über ihn, der Kunst und Kultur für nicht systemrelevant hält, denken? Welche Welt wollte er für seine Tochter aufbauen? Eine, die so schön ist wie Air von Bach oder so öde wie die Bücher von Klaus Schwab? Sollte seine Tochter später einmal sagen ‚Fuck you, I won’t do what you tell me‘ oder Ja und Amen? Sie rief ihre Freundin an, erzählte ihr alles. Und während sie sich immer weiter hineinsteigerte, bemerkte sie, wie ihr Bauch verspannte, ihre Hose feucht wurde, wieder Blutungen einsetzten. Was wollte ihr Körper ihr damit sagen? Let it flow? Du kannst den Fluss des Lebens nicht aufhalten? Lass‘ los? – Sie hatte ihm zum Geburtstag ein „Ständchen“ von Brecht verlinkt: ‚Im Gefängnis zu singen‘ – damit war alles gesagt.

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 15

Teil 15 – Tanz in den Mai

Der Tag ist ein wenig trüb und kalt, doch gegen Abend klart der Himmel auf und sogar die Sonne schickt einen Gruß. Sie reckt sich auf dem Sofa und steht mit Schwung dann auf. Die Schwerkraft und Trägheit überwunden, zieht sie ihre Schuhe an und nimmt sich ihren Tretroller, klappt ihn auf der Straße aus und schwingt das Bein. Noch sind die Knochen ein bisschen steif, doch bald rollt alles geschmeidig wunderbar. Durch die ganze Stadt gleitet sie dahin, sie hat Zeit und Muße und blickt die Welt sich an. Menschen sind unterwegs und auf dem großen Platze hat der Gewerkschaftsbund eine Bühne aufgebaut für sein braves Tralala natürlich mit Abstand und Maske. Ein Stückchen weiter klebt ein Plakat, bunteinfältiges Solidargewäsch von Wir, doch darunter ein mit schwarzem Stift entgegnetes NO. An Testzentren stehen tatsächlich Leute. Statt für Hostien im Gottesdienst, hier nun anstellen für ein Teststäbchen.

Noch schnell einen Freund besuchen, will sie, vielleicht ein Tässchen Tee und ein Pläuschchen. Leider ist er nicht daheim, also zieht es sie weiter an den Fluss. Vorher noch ein wenig die Füße vertreten und schieben. Eine Frau mit Maske wechselt schnell die Straßenseite. Dann kommt noch ein hübscher fetter Kater vorbei, sie ruft ihn, doch er will sich nicht streicheln lassen. Schade.

Ein Fremder lächelt sie an und sie kommen ins Gespräch. Sie erzürnt sich über den Wahn von Politik und Medien und Krisenprofiteuren, die Leid bringen über Kinder, Alte und Alle, verziert mit der geheuchelten Sorge um Leib und Leben. Wie wäre es stattdessen mit Freude, Nähe, Lachen, gesunder Nahrung, Bewegung und selbst entscheiden? Gibt es ein Leben vor dem Tod? Eine alte Frau, die ihren Rollator vorm Hauseingang abstellt, stimmt ihr zu und freut sich über die offenen Worte, spricht auch einen Nachbarn mit Hund an, der ebenso denkt.

Der Fremde möchte sich noch gerne weiter mit ihr unterhalten und bietet ihr einen von zwei Falafeln an, die er gerade von ihrem Lieblingsimbiss gekauft an. Das klingt gut und sie gehen gemeinsam zu seiner Wohnung, um noch eine Flasche Wein zu holen, die sie am Fluss trinken wollen. Sie setzen sich in seine kleine Souterrainwohnung und reden und zu der Flasche Wein kommt es nicht mehr. Aber zu Küssen und Lachen und Haut an Haut. Ein warmes, zartes Miteinander wie ein weiches Kissen.

Es ist spät geworden und er möchte gerne, dass sie bleibt und er mit ihr wach wird. Doch sie will noch an den Fluss. Die Ausgangssperre interessiert sie nicht, sie will durch die Dunkelheit gleiten an den Lichtern der Schiffe vorbei, den Wind in ihrem Gesicht spüren. Er umarmt sie zum Abschied und sie tanzen ein Weilchen ohne Musik, nur ihr leises Singen an seinem Ohr.

Ein Abgesang (Gedicht)

Ein Abgesang

Maske, Abstand, Test und Spritze
sind solidarisch, sagt die Linke
Seit‘ an Seit‘ mit der Regierung
Ist die Linke nun die Rechte?

Pharmamafia böse – Schwurbel
Politik korrupt – ein Leugner
Frieden, Freiheit – ein Nazi nun
Presse gleicht eher Propaganda
fügt der Aluhut hinzu.

Singen, tanzen, fröhlich sein
alles völlig überschätzt.
Lachen, kuscheln, gesellig sein
ja wo kämen wir denn dahin?
Jeder stirbt für sich allein
Kinderseelen und die Alten
und die Menschlichkeit dazu.

Krieg ist Frieden, sagte Orwell
1984
2020 war’s soweit:
ein Lügner nun, wer Wahrheit spricht
und die Linken mit dabei.

Systemausstieg statt Great Reset
ruft nun die bürgerliche Mitte
Immunsystem statt GMO*
keine Forderung mehr der Linke.
Selbstgefälligkeitsverblendet
zieht Geschichte an ihr vorbei.

*GMO = genetisch manipulierter Organismus

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 11-14

Teil 11 – Auf dem Marktplatz I

Sie steht auf dem Marktplatz in einer kleinen Gruppe und unterhält sich. Nur wenige Schritte von ihnen entfernt eng sitzende Menschen, die sich an der Sonne und der Wiedereröffnung der Gastronomie erfreuen. Die Polizei, dein Freund und Helfer, will das nicht. Drei bis an die Zähne bewaffnete Polizisten nähern sich der Gruppe. Sie sollen sich auflösen, den Platz verlassen wegen Verstoßes gegen Abstandsregeln, die für die Polizei und die Gastronomie-Besucher hingegen nicht gelten. Diskussionen folgen. Während sie noch – die Indoktrination sitzt tief – naiverweise darauf hofft, Polizisten nicht als befehlsausführende Roboter, sondern als Menschen mit Gewissen und Mut zur Zivilcourage erreichen zu können und ihnen eine Predigt über Grundgesetz, Freiheit und Widerstandsrecht hält, reicht’s ihrer Freundin schon lange mit der Polizei, spätestens seit sie bei G20 von ihnen in Lebensgefahr gebracht wurde. Sie provoziert verbal mit einer einladenden Geste. Ein junger Blonder lässt sich gerne darauf ein, scheint richtig heiß auf Krawall zu sein, greift nach ihrem Handgelenk. Dickie, der Chef, pfeift ihn zurück, erteilt Platzverweise, an die sich aber niemand hält. „Ich hasse Menschen“, wendet er sich mit seinen Jünglingen ab, um für diesen widerspenstigen Mob Verstärkung zu rufen. Für eine Handvoll untrainierter, zierlicher Weiber und einiger Rentner leistet sich der Staat gerne ein Polizei-Großaufgebot.

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Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 5-10

Teil 5 – In der Obst- und Gemüseabteilung

Sie steht in der Obst- und Gemüseabteilung und nicht weit von ihr entfernt, ist ein junges Paar, beide mit FFP2-Maskengesicht. Sie beobachtet, denn sie schaut Menschen tatsächlich noch an, auch wenn diese keine Notiz von ihr nehmen, als sei sie unsichtbar oder als würden die Menschen denken, selbst unsichtbar zu sein. Sie reagieren, sie merken einfach nicht mehr, als hätten sie zusätzlich noch Scheuklappen aufgesetzt, dabei steht sie doch in direkter Linie frontal zu ihnen, drei Meter entfernt.

Der Mann wiegt Äpfel, die er in einer dieser kleinen Plastikbeutel gesteckt hat. Plastik, das die ganze Welt verseucht, die Meere, das Grundwasser, den Boden und auch in Körpern zu finden ist. Äpfel von ausgebeuteten Saisonarbeiterinnen gepflückt, viele aus fernen Ländern, obwohl genug in der Nähe wachsen. Ein Apfel kullert ihm von der Waage runter auf den Boden. Er hebt ihn auf und wirkt unschlüssig. Mit Tüte und den Apfel in der Hand geht er zu der beim Einkaufswagen stehenden Frau und redet kurz mit ihr. Dann legt er den einen Apfel zurück auf den Obststand und packt einen anderen in die Tüte.

So ist das halt an der Hygienefront, wo die guten Menschen ihre Grenzen erreichen. Die Menschen, die aus vorgeschobener Solidarität für die Schwachen und Ängstlichen ihren eigenen Atemstrom behindern und andere für unverantwortliche Egoistinnen oder gar Mörderinnen halten, wenn diese dem psychotischen Treiben nicht folgen. All die Ja-Sager und die bitte, bitte Härter-Sager. Ja zur Maske, zur Erkennung der Gehorsamen, der Eiferer und zur Dämpfung der eigenen Todesangst, ja zum Lockdown mit all den Folgeopfern, ja zum PCR-Test, der keine Krankheit oder Infektion feststellen kann, ja zu einer neuartigen genbasierten „Impfung“ mit Nebenwirkungen und Pharmamegaprofit, ja zur totalen Überwachung und der Vergrößerung der Datenressourcen, denn nicht das Geringste darf verborgen oder unverwertet bleiben, ja zur Vernichtung des Menschseins, auf dass wir alsbald unseren Göttern, den Maschinen, gleichen, mit ihnen verschmelzen und somit selbst göttlich unsterblich werden und ja zu den Milliarden Menschen, die auf diesem Weg „überflüssig“ werden.

Aber einen Apfel mit Bodenkontakt essen, da hört der Heldenmut auf. Der eine Apfel ist nicht gut genug für den Gutmenschen. Den vergifteten Apfel soll doch das blöde Schneewittchen futtern.

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TOD (Gedicht)

TOD

Drei Buchstaben nur
werden auch Dein Schicksal sein
denn nur das Lebendige kann vergehen
Drei Buchstaben nur
sie können Dir nichts
sind sie doch ein Versprechen und Trost


Der Schmerz, er trifft nur die, die sind
denn die Ewigkeit ist kein Segen
sie ist des Wahnsinns letzter Fluch
ein unentrinnbares Verließ aus kalten Mauern


Das Sterben, das ist Deins
geschieht es in Angst und Pein
oder als willkommener letzter Gruß?

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Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 2 – 4

Teil 2 – Im Naherholungsgebiet

Welch ein schöner lauwarmer Sommerabend, dachte sie sich. Der durchgängig bewölkte Himmel brachte etwas Abkühlung; die Luft angenehm frisch und klar, nicht schwül. Es zog sie hinaus, eine kleine Runde mit dem Rad drehen, die Alltags- und zusätzlichen C-Sorgen für kurze Zeit vergessen. Vielleicht würde sie Glück haben und im Büchertauschschrank im Parzellengebiet wieder einen glücklichen Fund machen. Der graublaue Himmel setzte sich so schön von den sattgrünen Pflanzen ab, die noch keine Zeichen von Vertrockung aufwiesen, ließ das Grün noch stärker leuchten. Dazwischen bunte Farbkleckse irgendwelcher Blüten. Ein wohliges Gefühl erfüllte ihren Körper. Im Bücherschrank diesmal kein Glück, dafür aber eine glückliche Zusammenkunft mit einer Katze, die sich bereitwillig streicheln ließ. Dazu noch ein paar frühreife Brombeeren naschen. Das Leben kann so unbeschwert sein. Auf dem Rückweg tollten am Deich ein paar Jugendliche, ließen sich herunterrollen. Lächelnd näherte sie sich. Das Herumspucken eines der Jungen störte sie nicht. In diesen Zeiten fast schon eine Form des Widerstands. Beim Passieren grüßte er sie in pubertärer Manier halb ironisch, halb provokant. Sie erwiderte den Gruß ebenso. Beim Abzweigen sah sie im Augenwinkel noch etwas hinter sich herfliegen. Ein Blick Richtung Hüfte brachte Gewissheit: Er hatte sie angespuckt. Willkommen zurück in der patriarchalen Realität! Sie stellte ihn zur Rede, was das sollte. Seine halbgaren, unernsten Ausflüchte, das sei ein Versehen gewesen, machten sie nur noch wütender. Ja klar, wem ist es noch nicht „aus Versehen“ passiert, jemanden angespuckt zu haben? Kann ja mal vorkommen! Dass sie ihm am liebsten eine scheuern würde für diese Unverschämtheit. Ein Freund drohte ihr, dann würde sie es mit ihm zu tun kriegen. Was soll sie machen gegen körperlich ausgewachsene Jungmänner ohne Bart und ohne Benehmen? Das einzige Mädchen in der Runde kommt dazu, bietet ein Taschentuch an, fordert ihren Freund auf, sich zu entschuldigen. Mal wieder typisch – sie holt für ihn die Kohlen aus dem Feuer. Der Abend ist gelaufen.

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Wie konnte es zur „Corona-Krise“ kommen?

Eine anarchafeministische Kritik am Feminismus und an der Linken

Liebe Feministinnen, liebe Links-Verortete,

muss man Hellseherin sein, um zu erahnen, dass wir uns in einem Epochenwechsel befinden? Dass der Kapitalismus seit 2008 zu Ende ist? Damals, als Merkel und Steinbrück uns kreidebleich baten, unser mühsam Erspartes bitte bei den Banken zu lassen – das Geld sei sicher. Das war es natürlich nicht und ihnen ging der Arsch auf Grundeis. Der klinisch tote Patient wird seitdem künstlich am Leben gehalten. Niemandem dürften die immer niedrigeren Zinsen, die immer höheren Bankgebühren oder die brutale Sparpolitik vor allem in Griechenland entgangen sein. Dass hier etwas im Argen liegt, ist auch für Laien offensichtlich. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Finanzblase platzt, und die Reichen und Schönen sich zu ihrem Machterhalt ein neues Spiel für uns überlegen. Das ist nicht unser „Geschwurbel“, sondern u.a. das von Klaus Schwab. Und selbst der Desinteressiertesten sollte aufgefallen sein, dass die repräsentative Demokratie, die angeblich fortschrittlichste Form des Zusammenlebens, am Ende ist; dass ein Parteiensystem sich selbst den Totenschein ausstellt, wenn sich alle – und das über Monate – einig sind, es keine Opposition mehr gibt.

Die Fakten der C-Krise liegen schon lange offen auf dem Tisch. Sie sind die gleichen wie immer: dass es manche Akademiker mit der Abgabe wissenschaftlicher Texte nicht so genau nehmen; dass die Pharmalobby eine Mafia bleibt; dass die reichsten Menschen der Welt ihre nützlichen Idioten an den gewünschten Schaltstellen platzieren; dass es Regierungen noch nie um Gesundheit ging; dass gelogen wird, dass sich die Balken biegen. Essentielle Bestandteile des Herrschaftssystems Patriarchat eben. Vor Corona hättet Ihr Feministinnen und Linken all dem zugestimmt. Aber jetzt soll das alles auf einmal nicht mehr gelten? Oder wie erklärt sich, dass ein Großteil von Euch die Füße still hält oder noch schlimmer den korrupten Regierungen und gekauften Medien das Wort redet? Dass Ihr diejenigen, die ganz gerne ihre schwer erkämpften, freiheitlichen Grundrechte wieder hätten, die von Euch so genannten ‚Corona-Leugner‘, beleidigt, diffamiert, denunziert, stalkt? Ihr Feministinnen schweigt über die fortschreitende Machtbündelung, als ginge Euch das alles nichts an. Als wären Geld, Eliten, Staatsgewalt einfach so vom Himmel gefallen und nicht etwa menschengemachte Herrschaftsinstanzen des Patriarchats. Ihr Linken tretet auf wie dressierte Pawlowsche Hunde: Es braucht nur einer zu rufen „Da sind Rechte/Antisemiten!“ und schon kläfft Ihr drauf los. Ob das überhaupt stimmt – egal! Hauptsache auf der vermeintlich richtigen Seite stehen. Imagepflege geht vor. Ein Gutmensch ist das Gegenteil von einem guten Menschen.

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Mein Körper gehört mir (Gedicht)

Mein Körper gehört mir
mein Bauch
mein Herz
mein Verstand
mein Immunsystem
mein alles
von Kopf bis Fuß
er ist nicht auf dieser Welt für Dich
nicht für
Pharma, Data oder Herren dieser Länder

Mein Körper ist nicht rein Geistes Werk,
gar eine bloße Hülle nur, geformt nach meinem Bilde
Mein Geist ist meines Körpers Flamme wie die
Flamme der Kerzen Wachs und Docht
entfacht nicht von mir allein

Ich bin aus Sternenstaub
frei geboren, frei zu atmen
und zu gehen, wohin meine Füße mich tragen

Ich bin ein Erdenkind
beschenkt mit dem Lebenshauch
erschaffen und geboren durch den Leib
meiner ersten, meiner großen Liebe

Doch soll ich eine Nummer sein, eine Mängelware

Mein Körper wird gewogen, gemessen, begutachtet,
bewertet, gescannt, beobachtet, behindert, isoliert,
verwertet, registriert, bestraft, verstümmelt, verfolgt,
optimiert, dressiert, aussortiert

Aber ich bin das Leben, sei Du nicht der Tod,
gefangen in Angst und Pein
Ich will nicht Deine geheuchelte Verantwortung statt
hemmungsloser Lebenslust

Und tut mein Bauch vor Lachen weh
brennen meine Lippen von wilden Küssen
müden meine Glieder vom Tanzen schwer
so soll es sein, so ist es wunderbar

In der Umarmung von Dir und Dir wird mein
Kummer kleiner und meine Freude größer

Ich soll mich verbannen hinter Mauern
aus Stoff und Stein
Nein!

Die Sonne und Dein Lächeln
sollen bescheinen mein Antlitz
über Haut und Haar soll streichen der Wind
der Regen soll nässen mein Haupt
meine Hand soll spüren das Gras

Mein Körper gehört mir
keiner Religion, die ihn verachtet,
keinem Patriarchat, das ihn erniedrigt,
keinem Staat, der ihn knechtet,
keinem Kapital, das ihn schröpft

und wenn mein Körper stirbt, heute oder im
fernen Morgen
dann war da vorher Leben, dann war da Ich
mit allen Sinnen

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 1

Teil 1 – In der Bäckerei

Sonntagmorgen, Corona-Zeitalter, lange Schlange vor dem Bäcker bis über die quer einmündende Seitenstraße hinaus. Eine Radfahrerin nähert sich in gemählichem Tempo, klingelt, möchte durch zur Kreuzung. Die Menschen machen Platz, bis auf ein Vater-Sohn-Pärchen: Vaddern weicht jovial einen kleinen Schritt nach hinten aus, der Lütsche etwas überfordert mit der Situation springt erst nach hinten, dann nach vorne. Die Radfahrerin passiert ihn dennoch, verliert kein böses Wort, fährt einfach ruhig weiter. So weit, so unspektakulär. Doch so manch sensible Machoseele kann solch ein nichtiger Vorgang aus der Bahn werfen. Monsieur fühlte sich bemüßigt, der Dame noch belehrende, unschöne Sachen hinterherzurufen: Warum sie nicht bremsen und absteigen würde für SEIN Kind? Sich dabei umschauend und bestätigenden Blickkontakt zu anderen suchend. Dass er so etwas ihrem Kind wünsche. Dass er das nächste Mal, wenn er mit dem Auto führe, für ihr Kind auch nicht bremsen würde. (Es gibt ja auch gar keinen Unterschied zwischen einer gemählich tuckernden Radfahrerin und einem tonnenschweren Auto…) Ja, ja der treusorgende Vater – so treusorgend, dass er es nicht hinbekommt, seinem verunsicherten Sohn, der mitten auf der Fahrbahn steht, im richtigen Moment die richtigen Verhaltensanweisungen zu geben. Andere müssen aufpassen und ausweichen, er natürlich nicht.

Die Frau hinter dem Wüterich in der Schlange versuchte, zu beschwichtigen: Die Radfahrerin habe ja schließlich rechtzeitig geklingelt, wir würden ja mit der Schlange die Straße blockieren und außerdem sei dem Kind ja gar nichts passiert, ob er nicht vielleicht ein bißchen übertreibe… Ihr bzw. vielmehr ihrem Kind wurde daraufhin dasselbige gewünscht wie dem Kind der Radfahrerin. Dass sie gar keines hat – ist vielleicht auch besser so im Patriarchat -, braucht er nicht zu wissen. (Reiner Zufall, dass sie just in diesem Moment an „Familiendramen“ und „erweiterte Suizide“ denken musste? Wenn du’s einer Frau richtig heimzahlen willst, üb‘ Rache an den Kindern?) Die gekränkte Machoseele brodelte weiter: In der Bäckerei angekommen – natürlich brav den Mundschutz aufgesetzt und dem Kind gleich mit -, echauffierte er sich zusammen mit dem Kunden vor ihm – der draußen vor der Tür schön die Schnauze gehalten hatte – weiter über diese aufmüpfigen Weiber und dass deren Kinder doch mal angefahren werden sollten… Von den Bäckereiangestellten kein Wort – sind eben (männliche) Kunden, da mischt man sich nicht ein. Die Frau aus der Schlange, die bislang besonnen und ruhig reagiert hatte, bekam das selbstverständlich mit und wurde nun, da sie ebenfalls an der Reihe war und eintreten durfte, lauter: Ob sie ihn richtig verstünde, dass er ihr Kind in Sippenhaft nehmen wolle, wenn er sie doof fände? Keine Antwort. Aber da war doch was: Die Frau trägt keinen Mundschutz! Wenn einem die Argumente ausgehen, dann weist man eben in Corona-Zeiten auf die Maskenpflicht hin: „Setzen Sie die Maske auf“ klingt freundlicher als „Halt deine Schnauze!“. Da hat man doch als kleiner Wicht gleich die ganze Staatsmacht hinter sich und kommt sich richtig geil vor. Ich finde diese Masken zwar selber total nervig, aber egal. Macho und Bäckereifachverkäuferinnen sind sich einig: Laute Frauen stören das Ego bzw. das Geschäft. Das Patriarchat wie’s leibt und lebt. Eine beleidigte Macho-Leberwurst buckelt vor dem Obrigkeitsstaat und tritt nach unten auf Frauen und Kinder. Und hörige Frauen machen dabei mit. Wovor muss man sich hier eigentlich schützen?