Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 19

Teil 19 – Stinker im Park

Es ist ein milder Sonnentag. Sie geht mit einem Freund durch die langgestreckte Grünanlage spazieren. Auf dem Weg tummeln sich Radfahrer und Fußgänger und am Rande spielen Kinder auf der Schaukel oder am Klettergerüst. Die allermeisten Menschen haben sich nicht maskiert, vielleicht ist ihnen bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung im Freien gegen Null geht oder es fehlt ihnen der Befehl zum Aufsetzen einer Maske. Einige Gestalten jedoch, von den Terrormedien in eine Angstneurose getrieben, meiden die frische Luft, sie tragen ihre kleinen Lieblinge. Doch trotz der nun schon längeren Beziehung wissen sie häufig immer noch nicht, wie sie es am liebsten mag und tragen sie unter der Nase oder sogar am Kinn. Manch einer hält sie in der Hand oder am Arm gebunden. Da hilft wohl nur noch Paartherapie. Aber in vielen Fällen ist es dafür zu spät, zerschunden, besudelt in den Dreck geworfen, liegen die Lieblinge auf dem Boden oder im Gebüsch. Einst waren sie begehrt, glaubte der Träger sogar, nicht ohne sie leben zu können, doch die Liebe hat ein Ende. Aber musste es so grausam sein? Als sie noch rein und unbefleckt waren, waren sie zur Befriedigung eines Bedürfnisses gut genug, doch als ihre strahlende Schönheit verblasst war, landeten sie in der Gosse. Die tragischen Heldinnen hatten sich zwischen ihrem Träger und einem heraufbeschworenen Killervirus gestellt, ihn beschützt und sich geopfert, ertrugen des Trägers Spucke und Atem, seinen Mundgeruch, das Feuchtbiotop, das sich auf ihr bildete mit all den Bakterien, Keimen und Viren. Sie hielt stand, auch gegenüber seinen dreckigen Fingern, die sie ständig betatschten und dem Schweiß an seinem Hals, an den er sie drückte. Liebe erträgt viel, aber Undank ist der Welten Lohn. Doch Gift ist die Rache der Verschmähten. Das Mikroplastik, das Formaldehyd und all die anderen Chemikalien, die in ihr sind, der Cocktail an Schadstoffen, den sie ausgegast hat in seine Atemluft. Mon amour, der letzte Kuss des Verderbens. Adieu. Reiche den Zartbesaiteten jemand ein Taschentuch, für die anderen bleibt die Feststellung, dass dieser Dreck nichts im Grünen zu suchen hat. Können die braven, ständig um die Gesundheit der Mitmenschen besorgten, moralisch weit über allen stehenden Coronakreuzzügler nicht ihren Abfall in der Restmülltonne entsorgen? Offensichtlich, nein.

Dann fährt noch zu allem Überdruss ein Auto auf den Weg, das wie ein Polizeiauto aussieht, doch den Namenszug des Ordnungsamtes trägt. Die kleinen Hilfssheriffs kommen sich sehr wichtig vor und passieren die beiden Freunde. Er klopft auf die Fensterscheibe und das Auto stoppt. Er fragt den jungen Mann am Steuer, warum er hier mit dem Auto fahre. Er dürfe das, er habe eine Sondergenehmigung und außerdem solle der Klopfer nicht auf das Auto schlagen. Das hatte er gar nicht gemacht. Die eifrige Kollegin öffnet bereits die Seitentür, schließt sie aber wieder, da der Kollege keine Absicht hegt auszusteigen. Also folgt keine der üblichen Schikanen. Wahrscheinlich ist sein Sitzfleisch zu träge und der Gegner ihm auch zu schwer einzuschätzen. Dann fahren sie weiter. Leute mit Minderwertigkeitskomplexen müssen sich in diesen Zeiten richtig gut fühlen. Das reicht nun an Idioten und sie geht mit dem Freund über die Straße in den kleinen Park.

Kaum sind sie dort, fährt auf einmal ein silbergrauer Transporter mit verdunkelten Hinterscheiben in den Park. Vermutlich die Polizei. Zwei Männer sitzen am Steuer und umrunden den See, dann halten sie kurz vor dem Ausgang und reden mit einer alten Frau, die ihren Hund an der Leine führt. Es scheint ein nettes Pläuschchen zu sein. Gerade als die beiden Freunde den Transporter erreicht haben, fährt er wieder los. Sie fragt die Frau, was das für Typen seien. Die seien von der Polizei. Die Polizei ist kein Freund und Helfer, sie ist der Knüppel der Herrschenden und damit keine Lösung, sondern Teil des Problems. Sie ist angewidert von diesen Schnüfflern. Die sollen nicht durch den Park fahren und die Luft verpesten, meint sie, um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Die Polizei dürfe alles, erwidert die Frau. Es ist offensichtlich wie diese Frau tickt, diese Sorte Mensch liebt die Autorität. Diese Typen könnten wenigstens mit dem Rad fahren, sagt sie, um die Frau nicht zu überfordern. Das sei im Park verboten, sagt die Frau besserwisserisch. So viel Logik ist nichts entgegenzusezten. Diese Arschlöcher sollen nicht im Park die Luft verpesten, wiederholt sie genervt. Die Frau antwortet, sie solle das nicht allzu laut sagen, wenn die Polizei sie mitnehmen würde, sei sie nicht mehr so und sie sei doch sicherlich eine Grüne. Also das ist nun eine Beleidigung. Sie wurde auf der Straße schon als blödes Weib, Hure, Schlampe bezeichnet, aber das geht nun wirklich zu weit. Die widerlichen Grünen, diese Kriegspartei, diese grüngestrichenen Kapitalismusvertreter. Sie wählen sicherlich die NPD, wirft er dann kopfschüttelnd ein, nein, meint die Frau, AfD. Alles klar, auch solche Leute leben gerade in der für sie glücklichen Zeit, dass alle gehorchen sollen, sonst gibt’s Haue und die Polizei alles darf und man das Maul zu halten hat. Bloß keine Kritik. Da sind solche Leute dann im Gleichklang mit der Mehrheit der Linken in diesem Land, staatshörig bis zur Verdummung. Das große Suhlen im Dreiklang von Maskiererei, Testerei und Impferei. Ei Ei Ei. Auweia, Auweia.

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 18

Teil 18 – Alles auf den Prüfstand

Seit sie nicht mehr im Hamsterrad des täglichen Arbeitswahnsinns lief, war sie gedanklich nicht mehr ablenkt mit lästigen Zankereien aus eben jenem Zwangsverhältnis, sondern hatte mehr Zeit, über wirklich Wichtiges nachzudenken, zu recherchieren und zwischendurch einen Kuchen zu backen. Wenn eine kleine Elite seit über einem Jahr der Menschheit eine gigantische Lüge auftischte, so wird das doch mit Sicherheit nicht das erste Mal in der Geschichte gewesen sein. Ihr kam ein weiser Spruch in den Sinn, den sie einmal irgendwo aufgeschnappt hatte, von wegen, man solle sich vor Menschen hüten, die Panik verbreiten und genauer hinsehen. Das stimmte ja auch: Angst ist bekanntlich ein Herrschaftsinstrument. Und jeder Krieg beginnt mit einer Lüge.

Die erste Panik, an die sich erinnerte, war in ihrer Kindheit das Ozonloch. Das sei eine Gefahr für die Menschheit, in Australien würde die Hautkrebsrate dramatisch ansteigen, hieß es damals. Als Verursacher galten FCKW-Gase, die daraufhin verboten wurden. War das auch eine aufgebauschte Hysterie so wie jetzt, hinter der eigentlich etwas anderes steckte, nämlich wieder irgendwelche Geldinteressen? Sie fragte sich, warum stieg in Australien die Hautkrebsrate, wenn doch das Loch über dem Südpol war? Wieso überhaupt Südpol? Wie ist das FCKW-Gemisch dort überhaupt hingekommen? Diese Gase werden doch hauptsächlich auf der bevölkerungsreicheren und industrialisierten Nordhalbkugel entfleucht sein? Sie stieß im Internet wohlgemerkt in der Mainstream-Presse auf Hinweise, dass die Dicke der Ozonschicht auch etwas mit Temperaturen zu tun habe (aha, also nicht nur FCKW, was damals ja die offizielle Begründung war) und dass FCKW-Gase sehr stabil seien (stabile, langlebige Produkte sind schlecht fürs Geschäft im Wegwerfkapitalismus), dass die Meere auch Chlor ausdünsteten (scheint einleuchtend wegen des Salzes) und dass angeblich das Patentrecht des FCKW-Herstellers damals abgelaufen sei. Hatte letzteres nicht auch der Lübecker Laborarzt berichtet, der sich erdreistet hatte, mit altbewährten Methoden einen Corona-Impfstoff herzustellen und dafür Post von der Staatsanwaltschaft bekam? Könnten nicht auch irgendwelche physikalischen Flieh- und Vakuumkräfte Löcher in der Stratosphäre bedingen, ähnlich wie bei einem Eimer Wasser, den man umrührt? Die Erde dreht sich ja schließlich. Gibt’s überhaupt nicht vielleicht mehrere Einflussfaktoren, warum sich Ozonlöcher bilden so wie es ja auch mehrere Faktoren gibt, warum jemand an einem Virus (schwer) erkrankt oder nicht?

Sie war in Physik nie gut. Der Lehrer monologisierte vorne an seinem Pult, schien kein Interesse daran zu haben, ob die Kinder ihm folgen konnten und gab im besonderen ihr zu verstehen, dass sie dafür sowieso zu blöd sei. Für ihr Selbstbewusstsein war das nicht gerade förderlich. Aber die Fragen, die sie sich jetzt stellte, schienen ihr doch sehr berechtigt. Sie informierte sich beim Deutschen Wetterdienst. Dort erfuhr sie gleich im ersten Absatz, dass Ozonlöcher wiederkehrende, saisonale Phänomene seien, nämlich in den Polarnächten, und aufgrund der geographischen Besonderheit vor allem Südpol. Dass es auf der Nordhalbkugel wegen anderer geographischer Verhältnisse sehr viel mehr Luftaustausch und damit „schlechtere“ Bedingungen für ein Ozonloch gebe. Dass die Ozonschicht insgesamt sehr dünn sei und dass der stratosphärische Ozonmangel in den Polartagen aus tropischen Gefilden wieder aufgefüllt werde. Dass FCKW-Gase die Ozonschicht beeinflussen, aber genauso Kreuzblütengewächse und Vulkanausbrüche. Wie viel Nordhalbkugel-FCKW nun im südpolaren Ozonloch steckte, war dort leider nicht zu erfahren, dafür aber im letzten Absatz: dass das Ozonloch 1990 sehr klein, 2006 sehr groß, 2012 wieder deutlich kleiner war. Das passte nicht mit der Verbannung von FCKW seit 1987 zusammen. So resümierte sie für sich: Wie viele Industrieanlagen, Kühlschränke, Haarspraydosen usw. es in den ’80er Jahren auch immer gegeben haben mag, wenn sie auf den Globus schaute, konnten die darin enthaltenen Schadgase für Mutter Erde doch nicht mehr als ein patriarchaler Furz gewesen sein – ohne damit rücksichtslose Kapitalisten in Schutz nehmen zu wollen. Warum sonst hatte sich die Ozonlochproblematik auf der Nordhalbkugel – Strömungen hin oder her – nicht verschärft? Ob sie mit ihrer Schlussfolgerung nun richtig lag oder falsch: Die Erklärung mit den stabilen Polarwirbeln am Südpol schien ihr doch viel einleuchtender und bedeutsamer als das FCKW. Und dann war da ja noch der Hinweis auf monetäre Interessen. Eingesetzt für die Abkehr vom FCKW, beschlossen im so genannten Montrealer Protokoll, hatten sich übrigens so honorige Persönlichkeiten wie Ronald Reagan und Margaret Thatcher… Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Drei Affen, 5G und ein A (Gedicht)

Drei Affen, 5G und ein A

Drei Affen und 5G
nichts hören nichts sehen nichts sagen
gehorsam getestet gespritzt und getrackt – gefangen
auf narkolepsiert folgt genmanipuliert folgt transhumiert
Cont er ga‘ nichts für.
Oder doch?

Sich fügen heißt lügen
Affen schwingen durch die Lüfte, lausen und liebkosen
tausch‘ 5G für ein gekreistes A
Anarchie statt Plandemie

kein Gott kein Herr kein Staat
das Göttliche in dir
über dich herrschst du
l’état n’est plus, perdu, c’est toi

Frieden Freiheit keine Diktatur
so leicht wie Sonntagmorgen.
Worauf wartest du?

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 17

Teil 17 – Zweiter Corona-Frühling

Sie schlenderte am See entlang. Der Regen der vergangenen Tage hatte die Natur richtig sprießen lassen. Nur wenige Spätzünder unter den Bäumen, die ihre Blätter noch nicht frei entfaltet hatten. Besser spät als nie, dachte sie. Es näherten sich zwei Jogger. Keine kernigen Handwerker, eher so Bürotypen, die es in ihrem fortgeschrittenen Alter sicherlich auf irgendwelche Leitungspositionen geschafft hatten. Für richtige α-Tierchen fehlte es ihnen an Arroganz, da schwang irgendwie zuviel Untertanengeist mit, die Sportklamotten nicht hip genug. Sie unterhielten sich über das Thema, das seit mehr als einem Jahr die Welt beherrscht. Vielmehr mansplainte der eine dem anderen die Ohren voll. Jetzt wurde nicht mehr über Fußball gefachsimpelt, als wäre das eine höhere Wissenschaft, sondern alle waren zu Virenexperten mutiert. Dass es ja saisonale Verläufe gebe und in Indien sei ja gerade Winter, deswegen auch diese gefährliche Variante. Holy Moses – wenn schon falsche Verortung auf der Südhalbkugel, dann wenigstens Herbst statt Winter, murmelte sie bei sich. Es musste wirklich ein Kult geworden sein, wie schon ein youtube-Philosoph vermutete. Ein Kult, mit dem sich so wunderbar die Wirklichkeit ausblenden lässt, man sich so wunderbar von sich selber ablenken, sich wichtig machen kann, dazugehört. Dafür kann man auch mal Jahreszeiten und einen ganzen Subkontinent verschieben. Wie war das noch mit 2+2=5?

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 16

Teil 16 – Alte Freundschaften

Sie hatten sich schon seit mehreren Jahren auseinander gelebt. Mittlerweile beschränkte sich ihr Kontakt nur noch auf Geburtstagsgratulationen. Bei den letzten Treffen in ihrer Lieblingskneipe gerieten sie meist beim Thema Prostitution aneinander. Er vertrat die „unspießige“, neoliberale Position vom ‚Beruf wie jeder andere‘, sie die abolitionistische. Er empfand das als Streit, sie als Diskussion. Wenn er bessere Argumente hatte, sollte er sie doch vorbringen. Mittlerweile war er Vater einer Tochter. Ob er seine Position immer noch so vertreten würde?

Auf ihre letzte längere Email hatte er schon nicht mehr geantwortet. Da hatte er sich zuvor bei ihr über chronische Beschwerden ausgelassen. Sie fragte vorsichtig an – und das sollte unter Freunden doch eigentlich normal und möglich sein, vor dem Hintergrund hoher Trennungsraten und der ewigen Liebe als patriarchaler Illusion sowieso -, ob seine Symptome möglicherweise etwas mit Beziehungsproblemen zu tun haben könnten. Er reagierte sehr gereizt. Dabei war er damals in der Kennlernphase mit den ersten Rendezvous unzufrieden gewesen, bezeichnete seine Auserwählte verschämt als „langweilig“. Später revidierte er das, er habe wohl Angst vor der Nüchternheit gehabt. Sie fand seine Freundin sympathisch, viel natürlicher als seine vorherigen. Aber auch sehr still, keine Person, mit der man mal richtig streiten kann. Sie waren nun schon einige Jahre zusammen. Als er berichtete, dass er bald Vater würde, sprach er über sein Kind von einem „Projekt“. Das fand sie befremdlich.

Rückblickend würde sie sagen, hatten sie sich deshalb immer weiter von einander entfernt, weil sie sich innerlich immer weiter vom System abwendete, es überhaupt als solches erkannt und hinterfragt hatte, während er auf der Karriereleiter immer weiter emporstieg, mit all den Opfern, die das mit sich bringt, vor allem des Sich-Verbiegens. Sich der Mehrheitsmeinung der elitären Zugehörigkeitsgruppe anschließen, um nicht aufzufallen oder gar anzuecken. Während sie es darauf ankommen ließ, ihre langjährige Stelle zu verlieren, den Systemwahnsinn, der nun in Corona gipfelte, nicht mehr ertragen könnend, bekam er seine erste Vertretungsprofessur. Nicht nur das, sondern auch mediale Aufmerksamkeit, wie sie im Netz erfuhr, als sie der Neugier halber nach ihm googelte. Corona brachte ihm die Möglichkeit, sein Schwerpunktthema bekannter zu machen, um nicht zu sagen, zu vermarkten. Ganz ehrlich: Sie konnte ihm inhaltlich nicht mehr folgen, vermisste darüber hinaus in seiner Darbietung jegliche Natürlichkeit, empfand sie stellenweise als latent aggressiv und überheblich, weil zu sehr bemüht, gerade nicht arrogant zu wirken. Belege für seine Standpunkte: Fehlanzeige. Ein Wiederkäuen lauter Mainstream-Plattitüden, nicht wissenschaftlich, sondern abgehoben, unter seinem Niveau. Nicht kritisch, sondern regierungstreu bis ins Mark. Is‘ doch alles ganz easy mit dem Lockdown, wird schon seine Richtigkeit haben, sollten uns doch alle mal entspannen und nicht so misstrauisch sein. Sogar Staatsgewalt euphemisierte er. Besonders dreist fand sie: Er hatte sein Lebtag viel geraucht, wer weiß wie viele fremder Leute Lungen in geschlossenen Räumen vollgequalmt, von seiner starken Gewichtszunahme ganz zu schweigen – und nun sollten andere Menschen für ihn Masken tragen?! Sein Vortrag endete mit einem verschmitzten Lächeln und einem leicht abgewandelten berühmten Zitat eines totalitären Staatsmannes. Dafür bekam er sogar – oder vielmehr eben deswegen? – einen Preis. Sei ihm jeder Preis gegönnt für gute wissenschaftliche Abhandlungen. Aber dafür? Für diese Art von Preisen war er doch eigentlich auch schon zu alt und zu weit fortgeschritten in seiner Laufbahn. Das roch sehr nach politisch motivierter Auszeichnung.

Sie überlegte lange, ob sie ihn kontaktieren, ihm ins Gewissen reden sollte, mit den Fakten konfrontieren, die schon lange auf dem Tisch lagen. Nicht zuletzt für seine Tochter. Was sollte diese später einmal über ihn, der Kunst und Kultur für nicht systemrelevant hält, denken? Welche Welt wollte er für seine Tochter aufbauen? Eine, die so schön ist wie Air von Bach oder so öde wie die Bücher von Klaus Schwab? Sollte seine Tochter später einmal sagen ‚Fuck you, I won’t do what you tell me‘ oder Ja und Amen? Sie rief ihre Freundin an, erzählte ihr alles. Und während sie sich immer weiter hineinsteigerte, bemerkte sie, wie ihr Bauch verspannte, ihre Hose feucht wurde, wieder Blutungen einsetzten. Was wollte ihr Körper ihr damit sagen? Let it flow? Du kannst den Fluss des Lebens nicht aufhalten? Lass‘ los? – Sie hatte ihm zum Geburtstag ein „Ständchen“ von Brecht verlinkt: ‚Im Gefängnis zu singen‘ – damit war alles gesagt.

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 15

Teil 15 – Tanz in den Mai

Der Tag ist ein wenig trüb und kalt, doch gegen Abend klart der Himmel auf und sogar die Sonne schickt einen Gruß. Sie reckt sich auf dem Sofa und steht mit Schwung dann auf. Die Schwerkraft und Trägheit überwunden, zieht sie ihre Schuhe an und nimmt sich ihren Tretroller, klappt ihn auf der Straße aus und schwingt das Bein. Noch sind die Knochen ein bisschen steif, doch bald rollt alles geschmeidig wunderbar. Durch die ganze Stadt gleitet sie dahin, sie hat Zeit und Muße und blickt die Welt sich an. Menschen sind unterwegs und auf dem großen Platze hat der Gewerkschaftsbund eine Bühne aufgebaut für sein braves Tralala natürlich mit Abstand und Maske. Ein Stückchen weiter klebt ein Plakat, bunteinfältiges Solidargewäsch von Wir, doch darunter ein mit schwarzem Stift entgegnetes NO. An Testzentren stehen tatsächlich Leute. Statt für Hostien im Gottesdienst, hier nun anstellen für ein Teststäbchen.

Noch schnell einen Freund besuchen, will sie, vielleicht ein Tässchen Tee und ein Pläuschchen. Leider ist er nicht daheim, also zieht es sie weiter an den Fluss. Vorher noch ein wenig die Füße vertreten und schieben. Eine Frau mit Maske wechselt schnell die Straßenseite. Dann kommt noch ein hübscher fetter Kater vorbei, sie ruft ihn, doch er will sich nicht streicheln lassen. Schade.

Ein Fremder lächelt sie an und sie kommen ins Gespräch. Sie erzürnt sich über den Wahn von Politik und Medien und Krisenprofiteuren, die Leid bringen über Kinder, Alte und Alle, verziert mit der geheuchelten Sorge um Leib und Leben. Wie wäre es stattdessen mit Freude, Nähe, Lachen, gesunder Nahrung, Bewegung und selbst entscheiden? Gibt es ein Leben vor dem Tod? Eine alte Frau, die ihren Rollator vorm Hauseingang abstellt, stimmt ihr zu und freut sich über die offenen Worte, spricht auch einen Nachbarn mit Hund an, der ebenso denkt.

Der Fremde möchte sich noch gerne weiter mit ihr unterhalten und bietet ihr einen von zwei Falafeln an, die er gerade von ihrem Lieblingsimbiss gekauft an. Das klingt gut und sie gehen gemeinsam zu seiner Wohnung, um noch eine Flasche Wein zu holen, die sie am Fluss trinken wollen. Sie setzen sich in seine kleine Souterrainwohnung und reden und zu der Flasche Wein kommt es nicht mehr. Aber zu Küssen und Lachen und Haut an Haut. Ein warmes, zartes Miteinander wie ein weiches Kissen.

Es ist spät geworden und er möchte gerne, dass sie bleibt und er mit ihr wach wird. Doch sie will noch an den Fluss. Die Ausgangssperre interessiert sie nicht, sie will durch die Dunkelheit gleiten an den Lichtern der Schiffe vorbei, den Wind in ihrem Gesicht spüren. Er umarmt sie zum Abschied und sie tanzen ein Weilchen ohne Musik, nur ihr leises Singen an seinem Ohr.

Ein Abgesang (Gedicht)

Ein Abgesang

Maske, Abstand, Test und Spritze
sind solidarisch, sagt die Linke
Seit‘ an Seit‘ mit der Regierung
Ist die Linke nun die Rechte?

Pharmamafia böse – Schwurbel
Politik korrupt – ein Leugner
Frieden, Freiheit – ein Nazi nun
Presse gleicht eher Propaganda
fügt der Aluhut hinzu.

Singen, tanzen, fröhlich sein
alles völlig überschätzt.
Lachen, kuscheln, gesellig sein
ja wo kämen wir denn dahin?
Jeder stirbt für sich allein
Kinderseelen und die Alten
und die Menschlichkeit dazu.

Krieg ist Frieden, sagte Orwell
1984
2020 war’s soweit:
ein Lügner nun, wer Wahrheit spricht
und die Linken mit dabei.

Systemausstieg statt Great Reset
ruft nun die bürgerliche Mitte
Immunsystem statt GMO*
keine Forderung mehr der Linke.
Selbstgefälligkeitsverblendet
zieht Geschichte an ihr vorbei.

*GMO = genetisch manipulierter Organismus

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 11-14

Teil 11 – Auf dem Marktplatz I

Sie steht auf dem Marktplatz in einer kleinen Gruppe und unterhält sich. Nur wenige Schritte von ihnen entfernt eng sitzende Menschen, die sich an der Sonne und der Wiedereröffnung der Gastronomie erfreuen. Die Polizei, dein Freund und Helfer, will das nicht. Drei bis an die Zähne bewaffnete Polizisten nähern sich der Gruppe. Sie sollen sich auflösen, den Platz verlassen wegen Verstoßes gegen Abstandsregeln, die für die Polizei und die Gastronomie-Besucher hingegen nicht gelten. Diskussionen folgen. Während sie noch – die Indoktrination sitzt tief – naiverweise darauf hofft, Polizisten nicht als befehlsausführende Roboter, sondern als Menschen mit Gewissen und Mut zur Zivilcourage erreichen zu können und ihnen eine Predigt über Grundgesetz, Freiheit und Widerstandsrecht hält, reicht’s ihrer Freundin schon lange mit der Polizei, spätestens seit sie bei G20 von ihnen in Lebensgefahr gebracht wurde. Sie provoziert verbal mit einer einladenden Geste. Ein junger Blonder lässt sich gerne darauf ein, scheint richtig heiß auf Krawall zu sein, greift nach ihrem Handgelenk. Dickie, der Chef, pfeift ihn zurück, erteilt Platzverweise, an die sich aber niemand hält. „Ich hasse Menschen“, wendet er sich mit seinen Jünglingen ab, um für diesen widerspenstigen Mob Verstärkung zu rufen. Für eine Handvoll untrainierter, zierlicher Weiber und einiger Rentner leistet sich der Staat gerne ein Polizei-Großaufgebot.

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Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 5-10

Teil 5 – In der Obst- und Gemüseabteilung

Sie steht in der Obst- und Gemüseabteilung und nicht weit von ihr entfernt, ist ein junges Paar, beide mit FFP2-Maskengesicht. Sie beobachtet, denn sie schaut Menschen tatsächlich noch an, auch wenn diese keine Notiz von ihr nehmen, als sei sie unsichtbar oder als würden die Menschen denken, selbst unsichtbar zu sein. Sie reagieren, sie merken einfach nicht mehr, als hätten sie zusätzlich noch Scheuklappen aufgesetzt, dabei steht sie doch in direkter Linie frontal zu ihnen, drei Meter entfernt.

Der Mann wiegt Äpfel, die er in einer dieser kleinen Plastikbeutel gesteckt hat. Plastik, das die ganze Welt verseucht, die Meere, das Grundwasser, den Boden und auch in Körpern zu finden ist. Äpfel von ausgebeuteten Saisonarbeiterinnen gepflückt, viele aus fernen Ländern, obwohl genug in der Nähe wachsen. Ein Apfel kullert ihm von der Waage runter auf den Boden. Er hebt ihn auf und wirkt unschlüssig. Mit Tüte und den Apfel in der Hand geht er zu der beim Einkaufswagen stehenden Frau und redet kurz mit ihr. Dann legt er den einen Apfel zurück auf den Obststand und packt einen anderen in die Tüte.

So ist das halt an der Hygienefront, wo die guten Menschen ihre Grenzen erreichen. Die Menschen, die aus vorgeschobener Solidarität für die Schwachen und Ängstlichen ihren eigenen Atemstrom behindern und andere für unverantwortliche Egoistinnen oder gar Mörderinnen halten, wenn diese dem psychotischen Treiben nicht folgen. All die Ja-Sager und die bitte, bitte Härter-Sager. Ja zur Maske, zur Erkennung der Gehorsamen, der Eiferer und zur Dämpfung der eigenen Todesangst, ja zum Lockdown mit all den Folgeopfern, ja zum PCR-Test, der keine Krankheit oder Infektion feststellen kann, ja zu einer neuartigen genbasierten „Impfung“ mit Nebenwirkungen und Pharmamegaprofit, ja zur totalen Überwachung und der Vergrößerung der Datenressourcen, denn nicht das Geringste darf verborgen oder unverwertet bleiben, ja zur Vernichtung des Menschseins, auf dass wir alsbald unseren Göttern, den Maschinen, gleichen, mit ihnen verschmelzen und somit selbst göttlich unsterblich werden und ja zu den Milliarden Menschen, die auf diesem Weg „überflüssig“ werden.

Aber einen Apfel mit Bodenkontakt essen, da hört der Heldenmut auf. Der eine Apfel ist nicht gut genug für den Gutmenschen. Den vergifteten Apfel soll doch das blöde Schneewittchen futtern.

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TOD (Gedicht)

TOD

Drei Buchstaben nur
werden auch Dein Schicksal sein
denn nur das Lebendige kann vergehen
Drei Buchstaben nur
sie können Dir nichts
sind sie doch ein Versprechen und Trost


Der Schmerz, er trifft nur die, die sind
denn die Ewigkeit ist kein Segen
sie ist des Wahnsinns letzter Fluch
ein unentrinnbares Verließ aus kalten Mauern


Das Sterben, das ist Deins
geschieht es in Angst und Pein
oder als willkommener letzter Gruß?

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