Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten

Teil 1 – In der Bäckerei

Sonntagmorgen, Corona-Zeitalter, lange Schlange vor dem Bäcker bis über die quer einmündende Seitenstraße hinaus. Eine Radfahrerin nähert sich in gemählichem Tempo, klingelt, möchte durch zur Kreuzung. Die Menschen machen Platz, bis auf ein Vater-Sohn-Pärchen: Vaddern weicht jovial einen kleinen Schritt nach hinten aus, der Lütsche etwas überfordert mit der Situation springt erst nach hinten, dann nach vorne. Die Radfahrerin passiert ihn dennoch, verliert kein böses Wort, fährt einfach ruhig weiter. So weit, so unspektakulär. Doch so manch sensible Machoseele kann solch ein nichtiger Vorgang aus der Bahn werfen. Monsieur fühlte sich bemüßigt, der Dame noch belehrende, unschöne Sachen hinterherzurufen: Warum sie nicht bremsen und absteigen würde für SEIN Kind? Sich dabei umschauend und bestätigenden Blickkontakt zu anderen suchend. Dass er so etwas ihrem Kind wünsche. Dass er das nächste Mal, wenn er mit dem Auto führe, für ihr Kind auch nicht bremsen würde. (Es gibt ja auch gar keinen Unterschied zwischen einer gemählich tuckernden Radfahrerin und einem tonnenschweren Auto…) Ja, ja der treusorgende Vater – so treusorgend, dass er es nicht hinbekommt, seinem verunsicherten Sohn, der mitten auf der Fahrbahn steht, im richtigen Moment die richtigen Verhaltensanweisungen zu geben. Andere müssen aufpassen und ausweichen, er natürlich nicht.

Die Frau hinter dem Wüterich in der Schlange versuchte, zu beschwichtigen: Die Radfahrerin habe ja schließlich rechtzeitig geklingelt, wir würden ja mit der Schlange die Straße blockieren und außerdem sei dem Kind ja gar nichts passiert, ob er nicht vielleicht ein bißchen übertreibe… Ihr bzw. vielmehr ihrem Kind wurde daraufhin dasselbige gewünscht wie dem Kind der Radfahrerin. Dass sie gar keines hat – ist vielleicht auch besser so im Patriarchat -, braucht er nicht zu wissen. (Reiner Zufall, dass sie just in diesem Moment an „Familiendramen“ und „erweiterte Suizide“ denken musste? Wenn du’s einer Frau richtig heimzahlen willst, üb‘ Rache an den Kindern?) Die gekränkte Machoseele brodelte weiter: In der Bäckerei angekommen – natürlich brav den Mundschutz aufgesetzt und dem Kind gleich mit -, echauffierte er sich zusammen mit dem Kunden vor ihm – der draußen vor der Tür schön die Schnauze gehalten hatte – weiter über diese aufmüpfigen Weiber und dass deren Kinder doch mal angefahren werden sollten… Von den Bäckereiangestellten kein Wort – sind eben (männliche) Kunden, da mischt man sich nicht ein. Die Frau aus der Schlange, die bislang besonnen und ruhig reagiert hatte, bekam das selbstverständlich mit und wurde nun, da sie ebenfalls an der Reihe war und eintreten durfte, lauter: Ob sie ihn richtig verstünde, dass er ihr Kind in Sippenhaft nehmen wolle, wenn er sie doof fände? Keine Antwort. Aber da war doch was: Die Frau trägt keinen Mundschutz! Wenn einem die Argumente ausgehen, dann weist man eben in Corona-Zeiten auf die Maskenpflicht hin: „Setzen Sie die Maske auf“ klingt freundlicher als „Halt deine Schnauze!“. Da hat man doch als kleiner Wicht gleich die ganze Staatsmacht hinter sich und kommt sich richtig geil vor. Ich finde diese Masken zwar selber total nervig, aber egal. Macho und Bäckereifachverkäuferinnen sind sich einig: Laute Frauen stören das Ego bzw. das Geschäft. Das Patriarchat wie’s leibt und lebt. Eine beleidigte Macho-Leberwurst buckelt vor dem Obrigkeitsstaat und tritt nach unten auf Frauen und Kinder. Und hörige Frauen machen dabei mit. Wovor muss man sich hier eigentlich schützen?

Corona und die große Panik – eine anarchafeministische Bestandsaufnahme

Warum die Corona-Krise ein patriarchales, weniger ein medizinisches Problem ist

Eines gleich vorweg: Wir verhöhnen weder Kranke oder Tote, noch leugnen wir mutierte Viren. Wir stellen jedoch die uns so suggerierte vermeintlich hohe Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 in Frage und die daraus erfolgten massiven Freiheitsbeschränkungen sowieso. Und wir wundern uns vor allem, wie leichtfertig ansonsten scharfsinnige, kritische, kluge Frauen und andere Menschen in einer ihnen unheimlichen Situation, auf unbekanntem Terrain auf altbewährte patriarchale Herrschaftsmuster hereinfallen.

Was uns negativ in der Corona-Krise überrascht, sind nicht Regierungen und PolitikerInnen, die Kriegserklärungen abgeben (gegen wen eigentlich?) und zur Solidarität (ausgerechnet!) aufrufen; nicht „Qualitätsmedien“ und Nachrichtenheinis, die die Leute 24/7 mit Corona beschallen, dass man fast gar nicht anders kann, als in Panik und Hysterie zu verfallen; auch nicht die anständigen Staatsbürger, die meinen, Nachbarn und Fremde denunzieren zu müssen wegen zu wenig Abstand oder vielleicht einfach nur zuviel Fröhlichkeit, die aber ansonsten bei jeder Ungerechtigkeit immer schön die Klappe halten; es sind auch nicht Wissenschaftler, die uns überraschen, wenn sie aus fragwürdigen Quellen Geld beziehen – wes Brot ich ess, des Lied ich sing – und/oder in ihrer Eitelkeit Ruhm und Karriere anstreben; geschweige denn reiche Menschen, die bestenfalls selbstgefällig meinen, mit Geld die Welt retten zu können; oder gar Klopapierregaleleerkäufer – von all jenen erwarten wir nichts anderes als Heuchelei, Unaufrichtigkeit, Untertanentum, Machtstreben, Opportunismus – die tiefen Abgründe menschlicher Seelen eben, die deren Besitzer nicht bereit sind, zu bearbeiten. Was uns übel aufstößt, sind aufgeklärte, sonst mutige Menschen, insbesondere Feministinnen, die „Verschwörungstheorie“ und „Aluhüte“ schreien oder die alt-bewährte Nazi-Keule auspacken, sobald es eine wagt, die von früh bis spät vorgekaute Mainstream-Meinung nicht einfach so zu schlucken, sondern das eine oder andere in Frage zu stellen, zu widerlegen, auf dubiose Geldströme hinzuweisen. Als lebten wir eben nicht im Zeitalter des Kapitalismus, in der Kapitalisten aus jeder Situation Kapital zu schlagen versuchten. Als gäbe es nicht einen unguten Filz aus Politik, Geld und Macht. Als gäbe es keinen Dilettantismus. Als gäbe es keine Fälle von Zensur und Faschisierungstendenzen. Als hätte es in der Patriarchatsgeschichte nicht immer wieder Menschen, meistens Männer, mit Allmachtsphantasien gegeben. Mit Verlaub: Das finden wir naiv. „Corona und die große Panik – eine anarchafeministische Bestandsaufnahme“ weiterlesen

Parlamentarische Demokratie als patriarchaler Rohrkrepierer

Das große Geheuchel der „bürgerlichen Mitte“-Parteien über die Thüringer Ministerpräsidentenwahl oder warum Feministinnen Macht ablehnen müssen

Herr Kemmerich von der FDP lässt sich mit freundlicher Unterstützung der AfD zum Thüringischen Ministerpräsidenten wählen – so weit so demokratisch. Das Geschrei der Gralshüter der Demokratie ist groß. Wie sie sich alle echauffieren, die Kevin Kühnerts, die AKKs, die Göring-Eckardts – die anständigen, wahren Demokratinnen! Von Tabu- und Dammbruch ist die Rede. Vertrauensfragen werden gestellt, Blumensträuße fliegen auf den Boden. Die Aufregung geht weiter: Kemmerich will trotz Shitstorms nicht sofort zurücktreten, menno. Aber warum sollte er auch? Wurde er etwa nicht ganz rechtmäßig mithilfe der zweit- und drittstärksten Parteien in sein Amt befördert? Wo wurde denn hier gegen die ach so fortschrittlichen demokratischen Regeln verstoßen? Oder gilt Demokratie immer nur dann, wenn einem das Ergebnis passt?

Parlamentarismus heißt Macht

Seien wir doch mal ehrlich: Das eigentliche Problem ist nicht, dass sich ein Hardcore-Liberaler mithilfe von Neo-Faschisten zum Ministerpräsidenten wählen lässt. Das echte Problem beginnt viel früher, sitzt viel tiefer und heißt Macht. „Parlamentarische Demokratie als patriarchaler Rohrkrepierer“ weiterlesen

Offener Brief an Wladimir Kaminer

Priwet Gaspadin Kaminer,

Sie enttäuschen uns. Kannten wir Sie bisher – wenn auch nur oberflächlich – als aufmerksamen Beobachter skurriler, menschlicher Eigentümlichkeiten, nie verächtlich spottend, sondern immer mit einem Augenzwinkern, nicht auf Streit aus, sondern auf Verständigung. Ein sympathischer Wesenszug von Ihnen, denn bei all dem Grauen in der Welt sollte man doch seine Fröhlichkeit und den Blick auf Heiteres nicht verlieren und mit anderen teilen. Unser Bild von Ihnen wendete sich schlagartig beim Lesen von „Liebe auf Französisch“ in Ihrem aktuellen Erzählband „Liebeserklärungen“, strotzt diese Erzählung doch nur so vor Altherrenwitz, Zynismus und Gewaltumdeutung. Dass Sie in Ihrer Einleitung das russische Propaganda-Verbot homosexueller Handlungen, was ganz klar Homosexuelle diskriminiert, gleichsetzen mit dem hiesigen, wenn durchaus geheuchelten, Verbot der Sodomie, was Gewalt an Tieren wenigstens ein bißchen Einhalt gebietet, nämlich als staatliche Moralkeulen, darüber wollen wir mal großzügig hinwegsehen.

Sie schreiben von einer russischen Frau, die irgendwann zwischen Oktoberrevolution und zweitem Weltkrieg in Paris studierte und zwar nicht nur die Wissenschaft, sondern auch das Leben. Gehen wir mal vom Idealfall aus und sie testete ganz ungezwungen verschiedene Sexualpraktiken. Nehmen wir an, sie lernte jemanden kennen, den sie so sehr mochte, dass sie es liebte, ihn mit Fellatio zu verwöhnen. Vielleicht steigerte sie sich so sehr in ihre Freude hinein, jemand anderem eine Freude zu bereiten, dass ihr dabei einer abging. Biologisch betrachtet eher unwahrscheinlich, denn wir wissen nicht erst seit der Wahrheit über den Film „Deep Throat“, dass sich die Klitoris weder im Mund noch im Rachen einer Frau befindet, sondern an ihrer Scheide. Wir möchten nur am Rande erwähnen, dass Linda Boreman alias Lovelace von ihrem Ehemann zu diesem Film geprügelt wurde und die Filmcrew dies ignorierte. Aber bleiben wir beim Idealfall in Ihrer Erzählung, dass es in Paris mit Ihrer Bekannten nicht so war. Was uns als Feministinnen übel aufstößt, ist der Fortlauf der Geschichte, so wie Sie ihn erzählen. „Offener Brief an Wladimir Kaminer“ weiterlesen

Politikerinnen sind Patriarchatsgehilfinnen

Feministisch-anarchistischer Aufruf zum Wahlboykott – Teil 2

Liebe gescheite Frauen, emanzipierte Männer, solidarische Intersexuelle,

es stehen Wahlen bevor. Als Anarchafeministinnen sind wir selbstverständlich dagegen. Warum? Weil Macht immer und alle korrumpiert. Frauen sind da keine Ausnahme, wie uns folgende Beispiele zeigen werden. Die Losung, Männer auf mächtigen Posten gegen Frauen auszutauschen in der Annahme, dann würde alles gut, hat sich als gewaltiger feministischer Irrtum erwiesen. Um gleich unseren Kritikerinnen den Wind aus den Segeln zu nehmen: Wir präsentieren Euch diese Beispiele nicht, weil wir Nestbeschmutzerinnen oder Antifeministinnen sind, sondern um der Lebenslüge des Mainstream-Feminismus, Macht müsse nur gleich verteilt werden, Einhalt zu gebieten und die Blindheit zu entlarven gegenüber der Tatsache, dass Staaten hierarchisch-patriarchale Konstrukte und deshalb von feministischer Seite zu bekämpfen sind, nicht paritätisch zu besetzen oder zu reparieren.

„Politikerinnen sind Patriarchatsgehilfinnen“ weiterlesen

Feministisch-anarchistischer Aufruf zum Wahlboykott

Warum Radikalfeministinnen nicht wählen sollten

Ende Mai stehen wieder Wahlen bevor: das Europa-Parlament und die Bremische Bürgerschaft. An den von Parteiplakaten eingesäumten Straßen folgt eine nichtssagende Floskel der anderen. Sie sind austauschbar genauso wie die Parteien an sich, wenn sie erst einmal an der Macht sind. Das haben die einst säugenden, Norweger-Pulli tragenden Grünen mit am eindrücklichsten bewiesen. Doch haben wir bereits in der Schule gelernt, wie wichtig es sei, wählen zu gehen, obwohl eigentlich alle Erwachsenen ständig am Fluchen waren über diese unfähigen Politiker. Wir haben uns die Mühe gemacht, die am häufigsten angeführten Gründe, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen, zu sammeln, zu analysieren und anarchafeministisch zu zerlegen.

Methode Nr. 1: einlullen

Da ist die Rede von (mit-)bestimmen, gestalten, Einfluss nehmen auf unsere Zukunft, unsere Heimat, die Gesetze und Staatsausgaben. Unsere Stimmen seien wichtig, wir seien wichtig… Am Arsch, liebe FreundInnen! Lasst Euch davon nicht umsäuseln. Die beste Antwort auf diese Bullshit-Argumentation geben derzeit die SchülerInnen der Fridays-for-Future-Aktionen, deren Zukunft auf dem Spiel steht, weil Politik ein korruptes Geschäft ist. Denn wann durften wir eigentlich das letzte Mal über die Abholzung von Urwäldern zur Braunkohleförderung entscheiden? Wann durften wir das letzte Mal auf Abgashöchstwerte in den Städten Einfluss nehmen? Wann durften wir das letzte Mal darüber entscheiden, ob in der ohnehin dicht bebauten Siedlung das letzte Rasenstück, das bislang unseren Kindern als Spielfläche diente, einem weiteren Betonklotz weichen muss oder anstelle dessen eine seit Ewigkeiten brach liegende Gewerbefläche? Wann durften wir das letzte Mal darüber entscheiden, ob auf einem ehemaligen Zwangsarbeitergelände ein Großbordell entsteht? Wann durften wir das letzte Mal über unsere Arbeitszeit und unseren Lohn bestimmen? – Wichtig sind wir immer nur dann, wenn man etwas von uns will, nicht, wenn wir etwas wollen.

Methode Nr. 2: schlechtes Gewissen machen „Feministisch-anarchistischer Aufruf zum Wahlboykott“ weiterlesen

Ein radikalfeministischer Blick auf den 1. Mai

Der Haymarket-Riot und die Ermordung von Anarchisten

Erinnern wir uns zurück an den Ursprung des so genannten Maifeiertags, der wenig Anlass zum Feiern gab: Ab dem 1. Mai 1886 streikten in den USA tausende ArbeiterInnen für eine Verkürzung der Arbeitszeit von zwölf auf acht Stunden pro Tag. Die herrschende Klasse gibt bekanntlich ungern Privilegien auf und verteidigt diese gegebenenfalls mit Gewalt. So erschossen die Privatarmee der Privilegierten, sprich die Polizei, und weitere beauftragte Pinkerton-Privatdetektive am 3. Mai auf dem Chicagoer Haymarket, einem der Hotspots der Proteste, mehrere friedliche Arbeiter(innen?). Die Gewalt eskalierte am folgenden Tag: Eine Bombenexplosion tötete mehrere Polizisten, die Polizei weitere ArbeiterInnen. Die Justiz machte die vermeintlich Schuldigen schnell ausfindig: Ausländer und Anarchisten, die mit ihren Reden die Massen aufhetzten. Ihre Namen waren: August Spies, Adolph Fischer, Georg Engel und Albert Parsons. Obwohl ihre Schuld nie bewiesen wurde, verurteilte der so genannte Rechtsstaat sie zum Tod durch den Strang. Er „begnadigte“ außerdem Michael Schwab und Samuel Fielden zu lebenslanger Haft und schloss Oscar Neebe für 15 Jahre hinter Gitter. Louis Lingg suizidierte sich in seiner Zelle. Um ihrer zu gedenken, ernannte 1889 die Zweite Internationale den 1. Mai zum internationalen Arbeiterkampftag. Jahre später wurden die Hingerichteten auch von Staats wegen rehabilitiert.

Tag der Arbeit = Tag des Vergessens der Lohnsklaverei

Über diese Geschichte lernen wir in der Schule nichts. Der staatliche Lehrplan sieht das nicht vor, sondern produziert Nachwuchs für die Ausbeuter. So nutzen viele ArbeiterInnen diesen freien Tag heutzutage lieber, um sich auszuruhen – von der ganzen Arbeit – oder im Suff die Alltagssorgen zu vergessen. Gekämpft wird schon lange nicht mehr. „Ein radikalfeministischer Blick auf den 1. Mai“ weiterlesen

Anarchafeministische Literatur

Rosalies Gedankenfänger, Roman

Rosalie, eine junge Obdachlose, kindlich, aber auch tiefgründig in ihrer Art, ist im Gefängnis. In der Nacht hat sie von einer Großkatze geträumt und schreibt ihr, um sie auf den Weg in die Freiheit zu begleiten. Rosalie erzählt von Kuku und Gägä, ihren Freunden aus Kindheitstagen, von Rübezahl, dem obdachlosen Riesen, der für sie ein Philosoph ist, von Claire, der Straßenhure, die ihre Freundin ist, von Gargoyle, dem Jungen, den sie gerettet hat, vom Wassermann, der ihr von den Mythen der alten Griechen erzählt, von den Muränen, die sie schikanieren, von der religiösen Gefangenen, die sich ihr als Freundin aufdrängen will, von der Spinne, vor der sich alle fürchten, von der Hexe, die ihre Hilfe braucht, von der Gefängnispsychologin, der sie gerne vertrauen würde, von ihrer Mutter, die sie früh verloren hat und von dem Alligator mit dem Schnurrbart. Während des Schreibens fasst Rosalie einen für sie beängstigen Entschluss.

Online lesbar: http://umsonstladenbremen.blogsport.de/images/RosaliesGedankenfanger.pdf

Anarchafeminismus – Schwarzdruck von 2011, Edition Schwarze Kirschen

Auszug:

„Wir fühlen ein großes Bedürfnis, eine anarchafeministische Ideologie zu entwickeln, weil die Verbindung des Anarchismus mit dem Feminismus eine vollkommene Vereinigung von Prinzipien und Idealen wäre. Keine der beiden Lehren würde sich verändern oder gegen die andere verwehren müssen, denn sie entsprechen einander. Beide würden sich durch ihre Integration gegenseitig bereichern. […] Der Feminismus sieht im Patriarchat, im Kapitalismus und in der Staatlichkeit die Wurzeln aller Unterdrückung. Der Feminismus erkennt, dass alle Arten der Unterdrückung miteinander in Beziehung stehen, dass sich die persönliche, ökonomische und politische Unterdrückung in dem Leben von uns allen manifestiert. Der Feminismus bietet den anarchistischen Männern Aufschluss über ihr maskulines Erbe, welches ihre Emotionen und Ausdrucksfähigkeiten verkrüppelt. Der Feminismus gibt dem Anarchismus den Sinn für das Kreis-Förmige, für Verbindungen, die das existierende anarchistische Bewusstsein abrunden und vervollkommnen und für die menschlichen Bedürfnisse nach Schönheit, Freude und Ausdruck.“

Online lesbar: http://umsonstladenbremen.blogsport.de/images/Anarchafeminismus_2011.pdf

Lest hierzu auch unsere Auffassung von Radikalfeminismus: https://dieschoenenrosen.blog/2019/01/15/feminismus-kritik/

Findet heraus, ob Ihr Anarchist/in seid und macht unseren A-Test: https://dieschoenenrosen.blog/2019/01/31/anarchie-test/

Meine schlagfertige Klavierlehrerin

Lieb, brav, nett, geduldig, verständnisvoll, nachgiebig, sittsam, bescheiden, still und leise – so hätte die Welt uns Frauen gerne. Doch manche durchschauen diese Lebenslüge, die uns von klein auf eingetrichtert wird, irgendwann. Eine von ihnen ist meine georgische Klavierlehrerin, die mir voller Stolz und Selbstsicherheit, das moralische Recht auf ihrer Seite wissend, erzählte, wie sie ihren Asi-Nachbarn vermöbelt hatte.

Vermutlich begann es ganz klassisch mit gekränkter Eitelkeit. Hatte der Vater des besagten Nachbarn einst nach Klavierunterricht für seinen Sohnemann gefragt, hörte meine Klavierlehrerin auf ihr Bauchgefühl und lehnte mit Verweis auf mangelnde Kapazitäten ab. Irgendwann da fing es an: kein Grüßen mehr im Flur, Klopfen gegen die Wand, Tritte gegen die Tür, Beleidigungen. Laute Rap-“Musik“, die von der üblen Sorte, mit der er das ganz Haus volldröhnte. Und immer dann auf Anschlag, wenn sie Klavier spielte. Einmal erwischte sie ihn auf frischer Tat, als er gerade Wasser an ihre Tür geschüttet hatte. „Was willst du Schlampe?!“ stammelte er den Eimer noch in der Hand haltend. So forderte der Querulant über einige Monate sein Schicksal heraus. Naiv in der Annahme, die Kleine von nebenan würde sich ohnehin nicht wehren – so wie er es von seiner Freundin gewohnt war. Falsch gedacht.

„Meine schlagfertige Klavierlehrerin“ weiterlesen

Paranoide Schizophrenie – der patriarchale Wahnsinn

Ein Nachruf auf meinen Vetter und eine Gesellschaftskritik

Kürzlich verstarbst Du, mein Cousin. Du littst unter paranoider Schizophrenie. Oder war es doch eher unsere kaputte Gesellschaft, das Patriarchat, was Dich erst Deinen Verstand und dann Dein Leben kostete? Dein Tod hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe versucht, mir Dein Verhalten zu erklären.

Du warst ein lebensfroher Typ, Partygänger, immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Und ein Mädchenschwarm, der keine Gelegenheit ausließ, so kam es mir vor. Dass der frühe Tod Deines Vaters Dich verletzlich gemacht hatte, ahnte ich damals noch nicht.

Deine Erkrankung kam schleichend. Nicht lange nach der Geburt Eurer Tochter, trennte sich Deine Freundin von Dir. Da hatte sich Dein Wesen für sie wohl schon merklich verändert. Du unterstelltest ihr, Dich betrogen zu haben. Das Kind sei gar nicht von Dir. Sprach da die tief sitzende Angst eines Mannes, zum Gespött der Leute zu werden als gehörnter Depp mit einem untergeschobenen Kuckuckskind?

„Paranoide Schizophrenie – der patriarchale Wahnsinn“ weiterlesen