Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 19

Teil 19 – Stinker im Park

Es ist ein milder Sonnentag. Sie geht mit einem Freund durch die langgestreckte Grünanlage spazieren. Auf dem Weg tummeln sich Radfahrer und Fußgänger und am Rande spielen Kinder auf der Schaukel oder am Klettergerüst. Die allermeisten Menschen haben sich nicht maskiert, vielleicht ist ihnen bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung im Freien gegen Null geht oder es fehlt ihnen der Befehl zum Aufsetzen einer Maske. Einige Gestalten jedoch, von den Terrormedien in eine Angstneurose getrieben, meiden die frische Luft, sie tragen ihre kleinen Lieblinge. Doch trotz der nun schon längeren Beziehung wissen sie häufig immer noch nicht, wie sie es am liebsten mag und tragen sie unter der Nase oder sogar am Kinn. Manch einer hält sie in der Hand oder am Arm gebunden. Da hilft wohl nur noch Paartherapie. Aber in vielen Fällen ist es dafür zu spät, zerschunden, besudelt in den Dreck geworfen, liegen die Lieblinge auf dem Boden oder im Gebüsch. Einst waren sie begehrt, glaubte der Träger sogar, nicht ohne sie leben zu können, doch die Liebe hat ein Ende. Aber musste es so grausam sein? Als sie noch rein und unbefleckt waren, waren sie zur Befriedigung eines Bedürfnisses gut genug, doch als ihre strahlende Schönheit verblasst war, landeten sie in der Gosse. Die tragischen Heldinnen hatten sich zwischen ihrem Träger und einem heraufbeschworenen Killervirus gestellt, ihn beschützt und sich geopfert, ertrugen des Trägers Spucke und Atem, seinen Mundgeruch, das Feuchtbiotop, das sich auf ihr bildete mit all den Bakterien, Keimen und Viren. Sie hielt stand, auch gegenüber seinen dreckigen Fingern, die sie ständig betatschten und dem Schweiß an seinem Hals, an den er sie drückte. Liebe erträgt viel, aber Undank ist der Welten Lohn. Doch Gift ist die Rache der Verschmähten. Das Mikroplastik, das Formaldehyd und all die anderen Chemikalien, die in ihr sind, der Cocktail an Schadstoffen, den sie ausgegast hat in seine Atemluft. Mon amour, der letzte Kuss des Verderbens. Adieu. Reiche den Zartbesaiteten jemand ein Taschentuch, für die anderen bleibt die Feststellung, dass dieser Dreck nichts im Grünen zu suchen hat. Können die braven, ständig um die Gesundheit der Mitmenschen besorgten, moralisch weit über allen stehenden Coronakreuzzügler nicht ihren Abfall in der Restmülltonne entsorgen? Offensichtlich, nein.

Dann fährt noch zu allem Überdruss ein Auto auf den Weg, das wie ein Polizeiauto aussieht, doch den Namenszug des Ordnungsamtes trägt. Die kleinen Hilfssheriffs kommen sich sehr wichtig vor und passieren die beiden Freunde. Er klopft auf die Fensterscheibe und das Auto stoppt. Er fragt den jungen Mann am Steuer, warum er hier mit dem Auto fahre. Er dürfe das, er habe eine Sondergenehmigung und außerdem solle der Klopfer nicht auf das Auto schlagen. Das hatte er gar nicht gemacht. Die eifrige Kollegin öffnet bereits die Seitentür, schließt sie aber wieder, da der Kollege keine Absicht hegt auszusteigen. Also folgt keine der üblichen Schikanen. Wahrscheinlich ist sein Sitzfleisch zu träge und der Gegner ihm auch zu schwer einzuschätzen. Dann fahren sie weiter. Leute mit Minderwertigkeitskomplexen müssen sich in diesen Zeiten richtig gut fühlen. Das reicht nun an Idioten und sie geht mit dem Freund über die Straße in den kleinen Park.

Kaum sind sie dort, fährt auf einmal ein silbergrauer Transporter mit verdunkelten Hinterscheiben in den Park. Vermutlich die Polizei. Zwei Männer sitzen am Steuer und umrunden den See, dann halten sie kurz vor dem Ausgang und reden mit einer alten Frau, die ihren Hund an der Leine führt. Es scheint ein nettes Pläuschchen zu sein. Gerade als die beiden Freunde den Transporter erreicht haben, fährt er wieder los. Sie fragt die Frau, was das für Typen seien. Die seien von der Polizei. Die Polizei ist kein Freund und Helfer, sie ist der Knüppel der Herrschenden und damit keine Lösung, sondern Teil des Problems. Sie ist angewidert von diesen Schnüfflern. Die sollen nicht durch den Park fahren und die Luft verpesten, meint sie, um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Die Polizei dürfe alles, erwidert die Frau. Es ist offensichtlich wie diese Frau tickt, diese Sorte Mensch liebt die Autorität. Diese Typen könnten wenigstens mit dem Rad fahren, sagt sie, um die Frau nicht zu überfordern. Das sei im Park verboten, sagt die Frau besserwisserisch. So viel Logik ist nichts entgegenzusezten. Diese Arschlöcher sollen nicht im Park die Luft verpesten, wiederholt sie genervt. Die Frau antwortet, sie solle das nicht allzu laut sagen, wenn die Polizei sie mitnehmen würde, sei sie nicht mehr so und sie sei doch sicherlich eine Grüne. Also das ist nun eine Beleidigung. Sie wurde auf der Straße schon als blödes Weib, Hure, Schlampe bezeichnet, aber das geht nun wirklich zu weit. Die widerlichen Grünen, diese Kriegspartei, diese grüngestrichenen Kapitalismusvertreter. Sie wählen sicherlich die NPD, wirft er dann kopfschüttelnd ein, nein, meint die Frau, AfD. Alles klar, auch solche Leute leben gerade in der für sie glücklichen Zeit, dass alle gehorchen sollen, sonst gibt’s Haue und die Polizei alles darf und man das Maul zu halten hat. Bloß keine Kritik. Da sind solche Leute dann im Gleichklang mit der Mehrheit der Linken in diesem Land, staatshörig bis zur Verdummung. Das große Suhlen im Dreiklang von Maskiererei, Testerei und Impferei. Ei Ei Ei. Auweia, Auweia.

Drei Affen, 5G und ein A (Gedicht)

Drei Affen, 5G und ein A

Drei Affen und 5G
nichts hören nichts sehen nichts sagen
gehorsam getestet gespritzt und getrackt – gefangen
auf narkolepsiert folgt genmanipuliert folgt transhumiert
Cont er ga‘ nichts für.
Oder doch?

Sich fügen heißt lügen
Affen schwingen durch die Lüfte, lausen und liebkosen
tausch‘ 5G für ein gekreistes A
Anarchie statt Plandemie

kein Gott kein Herr kein Staat
das Göttliche in dir
über dich herrschst du
l’état n’est plus, perdu, c’est toi

Frieden Freiheit keine Diktatur
so leicht wie Sonntagmorgen.
Worauf wartest du?

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 15

Teil 15 – Tanz in den Mai

Der Tag ist ein wenig trüb und kalt, doch gegen Abend klart der Himmel auf und sogar die Sonne schickt einen Gruß. Sie reckt sich auf dem Sofa und steht mit Schwung dann auf. Die Schwerkraft und Trägheit überwunden, zieht sie ihre Schuhe an und nimmt sich ihren Tretroller, klappt ihn auf der Straße aus und schwingt das Bein. Noch sind die Knochen ein bisschen steif, doch bald rollt alles geschmeidig wunderbar. Durch die ganze Stadt gleitet sie dahin, sie hat Zeit und Muße und blickt die Welt sich an. Menschen sind unterwegs und auf dem großen Platze hat der Gewerkschaftsbund eine Bühne aufgebaut für sein braves Tralala natürlich mit Abstand und Maske. Ein Stückchen weiter klebt ein Plakat, bunteinfältiges Solidargewäsch von Wir, doch darunter ein mit schwarzem Stift entgegnetes NO. An Testzentren stehen tatsächlich Leute. Statt für Hostien im Gottesdienst, hier nun anstellen für ein Teststäbchen.

Noch schnell einen Freund besuchen, will sie, vielleicht ein Tässchen Tee und ein Pläuschchen. Leider ist er nicht daheim, also zieht es sie weiter an den Fluss. Vorher noch ein wenig die Füße vertreten und schieben. Eine Frau mit Maske wechselt schnell die Straßenseite. Dann kommt noch ein hübscher fetter Kater vorbei, sie ruft ihn, doch er will sich nicht streicheln lassen. Schade.

Ein Fremder lächelt sie an und sie kommen ins Gespräch. Sie erzürnt sich über den Wahn von Politik und Medien und Krisenprofiteuren, die Leid bringen über Kinder, Alte und Alle, verziert mit der geheuchelten Sorge um Leib und Leben. Wie wäre es stattdessen mit Freude, Nähe, Lachen, gesunder Nahrung, Bewegung und selbst entscheiden? Gibt es ein Leben vor dem Tod? Eine alte Frau, die ihren Rollator vorm Hauseingang abstellt, stimmt ihr zu und freut sich über die offenen Worte, spricht auch einen Nachbarn mit Hund an, der ebenso denkt.

Der Fremde möchte sich noch gerne weiter mit ihr unterhalten und bietet ihr einen von zwei Falafeln an, die er gerade von ihrem Lieblingsimbiss gekauft an. Das klingt gut und sie gehen gemeinsam zu seiner Wohnung, um noch eine Flasche Wein zu holen, die sie am Fluss trinken wollen. Sie setzen sich in seine kleine Souterrainwohnung und reden und zu der Flasche Wein kommt es nicht mehr. Aber zu Küssen und Lachen und Haut an Haut. Ein warmes, zartes Miteinander wie ein weiches Kissen.

Es ist spät geworden und er möchte gerne, dass sie bleibt und er mit ihr wach wird. Doch sie will noch an den Fluss. Die Ausgangssperre interessiert sie nicht, sie will durch die Dunkelheit gleiten an den Lichtern der Schiffe vorbei, den Wind in ihrem Gesicht spüren. Er umarmt sie zum Abschied und sie tanzen ein Weilchen ohne Musik, nur ihr leises Singen an seinem Ohr.

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 11-14

Teil 11 – Auf dem Marktplatz I

Sie steht auf dem Marktplatz in einer kleinen Gruppe und unterhält sich. Nur wenige Schritte von ihnen entfernt eng sitzende Menschen, die sich an der Sonne und der Wiedereröffnung der Gastronomie erfreuen. Die Polizei, dein Freund und Helfer, will das nicht. Drei bis an die Zähne bewaffnete Polizisten nähern sich der Gruppe. Sie sollen sich auflösen, den Platz verlassen wegen Verstoßes gegen Abstandsregeln, die für die Polizei und die Gastronomie-Besucher hingegen nicht gelten. Diskussionen folgen. Während sie noch – die Indoktrination sitzt tief – naiverweise darauf hofft, Polizisten nicht als befehlsausführende Roboter, sondern als Menschen mit Gewissen und Mut zur Zivilcourage erreichen zu können und ihnen eine Predigt über Grundgesetz, Freiheit und Widerstandsrecht hält, reicht’s ihrer Freundin schon lange mit der Polizei, spätestens seit sie bei G20 von ihnen in Lebensgefahr gebracht wurde. Sie provoziert verbal mit einer einladenden Geste. Ein junger Blonder lässt sich gerne darauf ein, scheint richtig heiß auf Krawall zu sein, greift nach ihrem Handgelenk. Dickie, der Chef, pfeift ihn zurück, erteilt Platzverweise, an die sich aber niemand hält. „Ich hasse Menschen“, wendet er sich mit seinen Jünglingen ab, um für diesen widerspenstigen Mob Verstärkung zu rufen. Für eine Handvoll untrainierter, zierlicher Weiber und einiger Rentner leistet sich der Staat gerne ein Polizei-Großaufgebot.

„Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 11-14“ weiterlesen

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 5-10

Teil 5 – In der Obst- und Gemüseabteilung

Sie steht in der Obst- und Gemüseabteilung und nicht weit von ihr entfernt, ist ein junges Paar, beide mit FFP2-Maskengesicht. Sie beobachtet, denn sie schaut Menschen tatsächlich noch an, auch wenn diese keine Notiz von ihr nehmen, als sei sie unsichtbar oder als würden die Menschen denken, selbst unsichtbar zu sein. Sie reagieren, sie merken einfach nicht mehr, als hätten sie zusätzlich noch Scheuklappen aufgesetzt, dabei steht sie doch in direkter Linie frontal zu ihnen, drei Meter entfernt.

Der Mann wiegt Äpfel, die er in einer dieser kleinen Plastikbeutel gesteckt hat. Plastik, das die ganze Welt verseucht, die Meere, das Grundwasser, den Boden und auch in Körpern zu finden ist. Äpfel von ausgebeuteten Saisonarbeiterinnen gepflückt, viele aus fernen Ländern, obwohl genug in der Nähe wachsen. Ein Apfel kullert ihm von der Waage runter auf den Boden. Er hebt ihn auf und wirkt unschlüssig. Mit Tüte und den Apfel in der Hand geht er zu der beim Einkaufswagen stehenden Frau und redet kurz mit ihr. Dann legt er den einen Apfel zurück auf den Obststand und packt einen anderen in die Tüte.

So ist das halt an der Hygienefront, wo die guten Menschen ihre Grenzen erreichen. Die Menschen, die aus vorgeschobener Solidarität für die Schwachen und Ängstlichen ihren eigenen Atemstrom behindern und andere für unverantwortliche Egoistinnen oder gar Mörderinnen halten, wenn diese dem psychotischen Treiben nicht folgen. All die Ja-Sager und die bitte, bitte Härter-Sager. Ja zur Maske, zur Erkennung der Gehorsamen, der Eiferer und zur Dämpfung der eigenen Todesangst, ja zum Lockdown mit all den Folgeopfern, ja zum PCR-Test, der keine Krankheit oder Infektion feststellen kann, ja zu einer neuartigen genbasierten „Impfung“ mit Nebenwirkungen und Pharmamegaprofit, ja zur totalen Überwachung und der Vergrößerung der Datenressourcen, denn nicht das Geringste darf verborgen oder unverwertet bleiben, ja zur Vernichtung des Menschseins, auf dass wir alsbald unseren Göttern, den Maschinen, gleichen, mit ihnen verschmelzen und somit selbst göttlich unsterblich werden und ja zu den Milliarden Menschen, die auf diesem Weg „überflüssig“ werden.

Aber einen Apfel mit Bodenkontakt essen, da hört der Heldenmut auf. Der eine Apfel ist nicht gut genug für den Gutmenschen. Den vergifteten Apfel soll doch das blöde Schneewittchen futtern.

„Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 5-10“ weiterlesen

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 2 – 4

Teil 2 – Im Naherholungsgebiet

Welch ein schöner lauwarmer Sommerabend, dachte sie sich. Der durchgängig bewölkte Himmel brachte etwas Abkühlung; die Luft angenehm frisch und klar, nicht schwül. Es zog sie hinaus, eine kleine Runde mit dem Rad drehen, die Alltags- und zusätzlichen C-Sorgen für kurze Zeit vergessen. Vielleicht würde sie Glück haben und im Büchertauschschrank im Parzellengebiet wieder einen glücklichen Fund machen. Der graublaue Himmel setzte sich so schön von den sattgrünen Pflanzen ab, die noch keine Zeichen von Vertrockung aufwiesen, ließ das Grün noch stärker leuchten. Dazwischen bunte Farbkleckse irgendwelcher Blüten. Ein wohliges Gefühl erfüllte ihren Körper. Im Bücherschrank diesmal kein Glück, dafür aber eine glückliche Zusammenkunft mit einer Katze, die sich bereitwillig streicheln ließ. Dazu noch ein paar frühreife Brombeeren naschen. Das Leben kann so unbeschwert sein. Auf dem Rückweg tollten am Deich ein paar Jugendliche, ließen sich herunterrollen. Lächelnd näherte sie sich. Das Herumspucken eines der Jungen störte sie nicht. In diesen Zeiten fast schon eine Form des Widerstands. Beim Passieren grüßte er sie in pubertärer Manier halb ironisch, halb provokant. Sie erwiderte den Gruß ebenso. Beim Abzweigen sah sie im Augenwinkel noch etwas hinter sich herfliegen. Ein Blick Richtung Hüfte brachte Gewissheit: Er hatte sie angespuckt. Willkommen zurück in der patriarchalen Realität! Sie stellte ihn zur Rede, was das sollte. Seine halbgaren, unernsten Ausflüchte, das sei ein Versehen gewesen, machten sie nur noch wütender. Ja klar, wem ist es noch nicht „aus Versehen“ passiert, jemanden angespuckt zu haben? Kann ja mal vorkommen! Dass sie ihm am liebsten eine scheuern würde für diese Unverschämtheit. Ein Freund drohte ihr, dann würde sie es mit ihm zu tun kriegen. Was soll sie machen gegen körperlich ausgewachsene Jungmänner ohne Bart und ohne Benehmen? Das einzige Mädchen in der Runde kommt dazu, bietet ein Taschentuch an, fordert ihren Freund auf, sich zu entschuldigen. Mal wieder typisch – sie holt für ihn die Kohlen aus dem Feuer. Der Abend ist gelaufen.

„Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 2 – 4“ weiterlesen

Geschichten aus dem Patriarchat zu Corona-Zeiten, Teil 1

Teil 1 – In der Bäckerei

Sonntagmorgen, Corona-Zeitalter, lange Schlange vor dem Bäcker bis über die quer einmündende Seitenstraße hinaus. Eine Radfahrerin nähert sich in gemählichem Tempo, klingelt, möchte durch zur Kreuzung. Die Menschen machen Platz, bis auf ein Vater-Sohn-Pärchen: Vaddern weicht jovial einen kleinen Schritt nach hinten aus, der Lütsche etwas überfordert mit der Situation springt erst nach hinten, dann nach vorne. Die Radfahrerin passiert ihn dennoch, verliert kein böses Wort, fährt einfach ruhig weiter. So weit, so unspektakulär. Doch so manch sensible Machoseele kann solch ein nichtiger Vorgang aus der Bahn werfen. Monsieur fühlte sich bemüßigt, der Dame noch belehrende, unschöne Sachen hinterherzurufen: Warum sie nicht bremsen und absteigen würde für SEIN Kind? Sich dabei umschauend und bestätigenden Blickkontakt zu anderen suchend. Dass er so etwas ihrem Kind wünsche. Dass er das nächste Mal, wenn er mit dem Auto führe, für ihr Kind auch nicht bremsen würde. (Es gibt ja auch gar keinen Unterschied zwischen einer gemählich tuckernden Radfahrerin und einem tonnenschweren Auto…) Ja, ja der treusorgende Vater – so treusorgend, dass er es nicht hinbekommt, seinem verunsicherten Sohn, der mitten auf der Fahrbahn steht, im richtigen Moment die richtigen Verhaltensanweisungen zu geben. Andere müssen aufpassen und ausweichen, er natürlich nicht.

Die Frau hinter dem Wüterich in der Schlange versuchte, zu beschwichtigen: Die Radfahrerin habe ja schließlich rechtzeitig geklingelt, wir würden ja mit der Schlange die Straße blockieren und außerdem sei dem Kind ja gar nichts passiert, ob er nicht vielleicht ein bißchen übertreibe… Ihr bzw. vielmehr ihrem Kind wurde daraufhin dasselbige gewünscht wie dem Kind der Radfahrerin. Dass sie gar keines hat – ist vielleicht auch besser so im Patriarchat -, braucht er nicht zu wissen. (Reiner Zufall, dass sie just in diesem Moment an „Familiendramen“ und „erweiterte Suizide“ denken musste? Wenn du’s einer Frau richtig heimzahlen willst, üb‘ Rache an den Kindern?) Die gekränkte Machoseele brodelte weiter: In der Bäckerei angekommen – natürlich brav den Mundschutz aufgesetzt und dem Kind gleich mit -, echauffierte er sich zusammen mit dem Kunden vor ihm – der draußen vor der Tür schön die Schnauze gehalten hatte – weiter über diese aufmüpfigen Weiber und dass deren Kinder doch mal angefahren werden sollten… Von den Bäckereiangestellten kein Wort – sind eben (männliche) Kunden, da mischt man sich nicht ein. Die Frau aus der Schlange, die bislang besonnen und ruhig reagiert hatte, bekam das selbstverständlich mit und wurde nun, da sie ebenfalls an der Reihe war und eintreten durfte, lauter: Ob sie ihn richtig verstünde, dass er ihr Kind in Sippenhaft nehmen wolle, wenn er sie doof fände? Keine Antwort. Aber da war doch was: Die Frau trägt keinen Mundschutz! Wenn einem die Argumente ausgehen, dann weist man eben in Corona-Zeiten auf die Maskenpflicht hin: „Setzen Sie die Maske auf“ klingt freundlicher als „Halt deine Schnauze!“. Da hat man doch als kleiner Wicht gleich die ganze Staatsmacht hinter sich und kommt sich richtig geil vor. Ich finde diese Masken zwar selber total nervig, aber egal. Macho und Bäckereifachverkäuferinnen sind sich einig: Laute Frauen stören das Ego bzw. das Geschäft. Das Patriarchat wie’s leibt und lebt. Eine beleidigte Macho-Leberwurst buckelt vor dem Obrigkeitsstaat und tritt nach unten auf Frauen und Kinder. Und hörige Frauen machen dabei mit. Wovor muss man sich hier eigentlich schützen?

Corona und die große Panik – eine anarchafeministische Bestandsaufnahme

Warum die Corona-Krise ein patriarchales, weniger ein medizinisches Problem ist

Eines gleich vorweg: Wir verhöhnen weder Kranke oder Tote, noch leugnen wir mutierte Viren. Wir stellen jedoch die uns so suggerierte vermeintlich hohe Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 in Frage und die daraus erfolgten massiven Freiheitsbeschränkungen sowieso. Und wir wundern uns vor allem, wie leichtfertig ansonsten scharfsinnige, kritische, kluge Frauen und andere Menschen in einer ihnen unheimlichen Situation, auf unbekanntem Terrain auf altbewährte patriarchale Herrschaftsmuster hereinfallen.

Was uns negativ in der Corona-Krise überrascht, sind nicht Regierungen und PolitikerInnen, die Kriegserklärungen abgeben (gegen wen eigentlich?) und zur Solidarität (ausgerechnet!) aufrufen; nicht „Qualitätsmedien“ und Nachrichtenheinis, die die Leute 24/7 mit Corona beschallen, dass man fast gar nicht anders kann, als in Panik und Hysterie zu verfallen; auch nicht die anständigen Staatsbürger, die meinen, Nachbarn und Fremde denunzieren zu müssen wegen zu wenig Abstand oder vielleicht einfach nur zuviel Fröhlichkeit, die aber ansonsten bei jeder Ungerechtigkeit immer schön die Klappe halten; es sind auch nicht Wissenschaftler, die uns überraschen, wenn sie aus fragwürdigen Quellen Geld beziehen – wes Brot ich ess, des Lied ich sing – und/oder in ihrer Eitelkeit Ruhm und Karriere anstreben; geschweige denn reiche Menschen, die bestenfalls selbstgefällig meinen, mit Geld die Welt retten zu können; oder gar Klopapierregaleleerkäufer – von all jenen erwarten wir nichts anderes als Heuchelei, Unaufrichtigkeit, Untertanentum, Machtstreben, Opportunismus – die tiefen Abgründe menschlicher Seelen eben, die deren Besitzer nicht bereit sind, zu bearbeiten. Was uns übel aufstößt, sind aufgeklärte, sonst mutige Menschen, insbesondere Feministinnen, die „Verschwörungstheorie“ und „Aluhüte“ schreien oder die alt-bewährte Nazi-Keule auspacken, sobald es eine wagt, die von früh bis spät vorgekaute Mainstream-Meinung nicht einfach so zu schlucken, sondern das eine oder andere in Frage zu stellen, zu widerlegen, auf dubiose Geldströme hinzuweisen. Als lebten wir eben nicht im Zeitalter des Kapitalismus, in der Kapitalisten aus jeder Situation Kapital zu schlagen versuchten. Als gäbe es nicht einen unguten Filz aus Politik, Geld und Macht. Als gäbe es keinen Dilettantismus. Als gäbe es keine Fälle von Zensur und Faschisierungstendenzen. Als hätte es in der Patriarchatsgeschichte nicht immer wieder Menschen, meistens Männer, mit Allmachtsphantasien gegeben. Mit Verlaub: Das finden wir naiv. „Corona und die große Panik – eine anarchafeministische Bestandsaufnahme“ weiterlesen

Parlamentarische Demokratie als patriarchaler Rohrkrepierer

Das große Geheuchel der „bürgerlichen Mitte“-Parteien über die Thüringer Ministerpräsidentenwahl oder warum Feministinnen Macht ablehnen müssen

Herr Kemmerich von der FDP lässt sich mit freundlicher Unterstützung der AfD zum Thüringischen Ministerpräsidenten wählen – so weit so demokratisch. Das Geschrei der Gralshüter der Demokratie ist groß. Wie sie sich alle echauffieren, die Kevin Kühnerts, die AKKs, die Göring-Eckardts – die anständigen, wahren Demokratinnen! Von Tabu- und Dammbruch ist die Rede. Vertrauensfragen werden gestellt, Blumensträuße fliegen auf den Boden. Die Aufregung geht weiter: Kemmerich will trotz Shitstorms nicht sofort zurücktreten, menno. Aber warum sollte er auch? Wurde er etwa nicht ganz rechtmäßig mithilfe der zweit- und drittstärksten Parteien in sein Amt befördert? Wo wurde denn hier gegen die ach so fortschrittlichen demokratischen Regeln verstoßen? Oder gilt Demokratie immer nur dann, wenn einem das Ergebnis passt?

Parlamentarismus heißt Macht

Seien wir doch mal ehrlich: Das eigentliche Problem ist nicht, dass sich ein Hardcore-Liberaler mithilfe von Neo-Faschisten zum Ministerpräsidenten wählen lässt. Das echte Problem beginnt viel früher, sitzt viel tiefer und heißt Macht. „Parlamentarische Demokratie als patriarchaler Rohrkrepierer“ weiterlesen

Politikerinnen sind Patriarchatsgehilfinnen

Feministisch-anarchistischer Aufruf zum Wahlboykott – Teil 2

Liebe gescheite Frauen, emanzipierte Männer, solidarische Intersexuelle,

es stehen Wahlen bevor. Als Anarchafeministinnen sind wir selbstverständlich dagegen. Warum? Weil Macht immer und alle korrumpiert. Frauen sind da keine Ausnahme, wie uns folgende Beispiele zeigen werden. Die Losung, Männer auf mächtigen Posten gegen Frauen auszutauschen in der Annahme, dann würde alles gut, hat sich als gewaltiger feministischer Irrtum erwiesen. Um gleich unseren Kritikerinnen den Wind aus den Segeln zu nehmen: Wir präsentieren Euch diese Beispiele nicht, weil wir Nestbeschmutzerinnen oder Antifeministinnen sind, sondern um der Lebenslüge des Mainstream-Feminismus, Macht müsse nur gleich verteilt werden, Einhalt zu gebieten und die Blindheit zu entlarven gegenüber der Tatsache, dass Staaten hierarchisch-patriarchale Konstrukte und deshalb von feministischer Seite zu bekämpfen sind, nicht paritätisch zu besetzen oder zu reparieren.

„Politikerinnen sind Patriarchatsgehilfinnen“ weiterlesen