Corona und die große Panik – eine anarchafeministische Bestandsaufnahme

Warum die Corona-Krise ein patriarchales, weniger ein medizinisches Problem ist

Eines gleich vorweg: Wir verhöhnen weder Kranke oder Tote, noch leugnen wir mutierte Viren. Wir stellen jedoch die uns so suggerierte vermeintlich hohe Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 in Frage und die daraus erfolgten massiven Freiheitsbeschränkungen sowieso. Und wir wundern uns vor allem, wie leichtfertig ansonsten scharfsinnige, kritische, kluge Frauen und andere Menschen in einer ihnen unheimlichen Situation, auf unbekanntem Terrain auf altbewährte patriarchale Herrschaftsmuster hereinfallen.

Was uns negativ in der Corona-Krise überrascht, sind nicht Regierungen und PolitikerInnen, die Kriegserklärungen abgeben (gegen wen eigentlich?) und zur Solidarität (ausgerechnet!) aufrufen; nicht „Qualitätsmedien“ und Nachrichtenheinis, die die Leute 24/7 mit Corona beschallen, dass man fast gar nicht anders kann, als in Panik und Hysterie zu verfallen; auch nicht die anständigen Staatsbürger, die meinen, Nachbarn und Fremde denunzieren zu müssen wegen zu wenig Abstand oder vielleicht einfach nur zuviel Fröhlichkeit, die aber ansonsten bei jeder Ungerechtigkeit immer schön die Klappe halten; es sind auch nicht Wissenschaftler, die uns überraschen, wenn sie aus fragwürdigen Quellen Geld beziehen – wes Brot ich ess, des Lied ich sing – und/oder in ihrer Eitelkeit Ruhm und Karriere anstreben; geschweige denn reiche Menschen, die bestenfalls selbstgefällig meinen, mit Geld die Welt retten zu können; oder gar Klopapierregaleleerkäufer – von all jenen erwarten wir nichts anderes als Heuchelei, Unaufrichtigkeit, Untertanentum, Machtstreben, Opportunismus – die tiefen Abgründe menschlicher Seelen eben, die deren Besitzer nicht bereit sind, zu bearbeiten. Was uns übel aufstößt, sind aufgeklärte, sonst mutige Menschen, insbesondere Feministinnen, die „Verschwörungstheorie“ und „Aluhüte“ schreien oder die alt-bewährte Nazi-Keule auspacken, sobald es eine wagt, die von früh bis spät vorgekaute Mainstream-Meinung nicht einfach so zu schlucken, sondern das eine oder andere in Frage zu stellen, zu widerlegen, auf dubiose Geldströme hinzuweisen. Als lebten wir eben nicht im Zeitalter des Kapitalismus, in der Kapitalisten aus jeder Situation Kapital zu schlagen versuchten. Als gäbe es nicht einen unguten Filz aus Politik, Geld und Macht. Als gäbe es keinen Dilettantismus. Als gäbe es keine Fälle von Zensur und Faschisierungstendenzen. Als hätte es in der Patriarchatsgeschichte nicht immer wieder Menschen, meistens Männer, mit Allmachtsphantasien gegeben. Mit Verlaub: Das finden wir naiv. „Corona und die große Panik – eine anarchafeministische Bestandsaufnahme“ weiterlesen

Es kann nur einen Feminismus geben – und der ist radikal

Ein Feminismus, der nicht radikal bis an die Wurzel geht, ist für uns kein vollendeter, weil er nicht konsequent ist. Wer den Radikalfeminismus konsequent zu Ende denkt, landet bei der Anarchie, die eben nicht verleumderisch Chaos bedeutet, sondern Freiheit und Selbstorganisation ohne Autoritäten.

Wir möchten das Übel, das uns unserer Freiheit beraubt, an der Wurzel packen, das Patriarchat, das hierarchische Herrschaftssystem, das uns gefangen hält, nicht leugnen, nicht schön reden, nicht reformieren, sondern abschaffen. Des Übels Wurzel, das ist für uns die Sexobjektifizierung von Mädchen und Frauen; das sind korsettartige, einengende gesellschaftliche Rollenzuschreibungen für Frauen, aber auch für Männer; das ist für uns die Religion, die als Gegnerin der Aufklärung Menschen verblödet und unterwirft; das ist für uns der selbsternannte Staat, der Ungleichheit nur da beendet, wo es der Elite nicht grundlegend schadet, sie ansonsten aber zementiert und stetig erneuert und uns das als Rechtmäßigkeit verkaufen will; das ist für uns die Entwertung von Tieren und ihren Lebensräumen, was die Menschheit verrohen lässt, sie von der Natur entfremdet und ihre eigene, also unser aller Lebensgrundlage zerstört.

Wir solidarisieren uns mit allen, die ebenfalls unter diesem Herrschaftssystem leiden und es revolutionieren wollen, solange sie die Unterdrückung der Frauen (ohne * als eigenständige Gruppe) anerkennen. Wer uns Idealismus und Realitätsferne vorwirft, dem sagen wir: Du hast kapituliert vor dem Unrecht. Du richtest es Dir gemütlich oder zumindest erträglich ein in einem Scheiß-System, weil Du privilegiert oder noch nicht gründlich genug auf die Schnauze gefallen bist, weil Du Unangenehmes ausblendest. Du bist unsolidarisch mit denen, die auf der Hierarchie-Leiter unter Dir stehen. Du betrügst Dich und schadest Dir selber, weil Du Dein Mitgefühl verloren, Deine Menschlichkeit ein Stück weit aufgegeben hast. Es mangelt Dir an Phantasie und geschichtlichem Wissen. Denk‘ mal groß! Das Leben könnte so schön sein wie eine Rose, wenn nur das Patriarchat nicht wäre.

Fleisch ist kein Gemüse

Speziesismus ist der Sexismus gegen Tiere

Wenn wir mal ehrlich sind, so waren die ersten Opfer des Patriarchats nicht wir Frauen, sondern die Tiere, zumindest jene, die fortan den Namen ‚Nutztiere‘ bekamen, als wären sie irgendwie andersartige Tiere und um ihre Ausbeutung zu rechtfertigen. So begann die Viehhaltung vor rund zehntausend Jahren in der Jungsteinzeit (etwa 8200 – 6200 v. Chr.), unsere eigene Unterordnung Gerda Lerner zufolge aber erst fünftausend Jahre später (ca. 3100 – 600 v. Chr.). Und wenn wir weiterhin ehrlich sind, so haben wir Frauen an deren Ausbeutung fleißig mitgewirkt, dabei waren Tiere nie schlecht zu uns, sind uns nie in den Rücken gefallen. Es ist höchste Zeit, dass wir uns selber in ihnen wiedererkennen, die Parallelen zu unserer eigenen Unterdrückung sehen, uns mit ihnen solidarisieren, ihre Ausbeutung nicht länger mitbetreiben, sie aus ihrer Gefangenschaft befreien.

vegane Ernährung

Der Konsum tierischer Lebensmittel mag früher einmal lebensnotwendig gewesen sein, heutzutage ist er es nicht mehr – zumindest nicht in den wohlhabenden Gegenden dieser Welt. Ein Verzicht auf sie wäre ohne Schaden ohne weiteres möglich, wenn es denn nur gewollt wäre. Das Argument mit dem Vitamin B12 zieht nicht. Einzig Bakterien sind in der Lage, dieses Vitamin zu produzieren. Das heißt, Tiere müssen es genauso mit der Nahrung aufnehmen wie wir Menschen. Dies passiert natürlicherweise über die Aufnahme von Erde mit all den Bodenbakterien, industriellerweise über künstliche Anreicherung des Tierfutters. Wir Menschen könnten also genauso gut Erde essen anstelle getöteter Tiere oder – da wir ja von Mutter Erde sehr entfremdet sind – Nahrungsergänzungsmittel. Was ist die Einnahme letzterer schon im Vergleich zu all dem Tierleid?

Radikalfeminismus bedeutet Solidarität mit Tieren

Vegetarische Ernährung kann ein Anfang sein, konsequent ist diese Ernährungsweise aber nicht. Wo bleibt da die Solidarität mit all den Mutterkühen, denen kurz nach der Geburt ihre Kälbchen weggenommen werden, die wegen übergroßer Euter unter chronischen Gelenkentzündungen leiden und im Zeitraffer voraltern? Wo die Solidarität mit den Kälbern, die man absichtlich verhungern lässt, weil sie nicht rentabel sind, oder die nach einem kurzen traurigen Leben auf dem Schlachthof landen oder die ein tristes Milchmaschinenleben erwartet wie ihre Mütter? Wo bleibt da die Solidarität mit all den eingesperrten Legehennen oder männlichen Küken, die der Kapitalismus nicht verwerten kann und sie wie Abfall schreddert? Romantische Vorstellungen von „artgerechter“ Tierhaltung helfen da nicht weiter – eingesperrt und beherrscht bleiben die Tiere trotzdem, ob als Nahrung, Unterhaltung oder Versuchskaninchen für den Menschen. Wer gegen seine eigene Unterdrückung kämpft, kann nicht die Unterdrückung anderer leidensfähiger, sozialer Wesen billigend in Kauf nehmen oder gar wollen.