Es kann nur einen Feminismus geben – und der ist radikal

Ein Feminismus, der nicht radikal bis an die Wurzel geht, ist für uns kein vollendeter, weil er nicht konsequent ist. Wer den Radikalfeminismus konsequent zu Ende denkt, landet bei der Anarchie, die eben nicht verleumderisch Chaos bedeutet, sondern Freiheit und Selbstorganisation ohne Autoritäten.

Wir möchten das Übel, das uns unserer Freiheit beraubt, an der Wurzel packen, das Patriarchat, das hierarchische Herrschaftssystem, das uns gefangen hält, nicht leugnen, nicht schön reden, nicht reformieren, sondern abschaffen. Des Übels Wurzel, das ist für uns die Sexobjektifizierung von Mädchen und Frauen; das sind korsettartige, einengende gesellschaftliche Rollenzuschreibungen für Frauen, aber auch für Männer; das ist für uns die Religion, die als Gegnerin der Aufklärung Menschen verblödet und unterwirft; das ist für uns der selbsternannte Staat, der Ungleichheit nur da beendet, wo es der Elite nicht grundlegend schadet, sie ansonsten aber zementiert und stetig erneuert und uns das als Rechtmäßigkeit verkaufen will; das ist für uns die Entwertung von Tieren und ihren Lebensräumen, was die Menschheit verrohen lässt, sie von der Natur entfremdet und ihre eigene, also unser aller Lebensgrundlage zerstört.

Wir solidarisieren uns mit allen, die ebenfalls unter diesem Herrschaftssystem leiden und es revolutionieren wollen, solange sie die Unterdrückung der Frauen (ohne * als eigenständige Gruppe) anerkennen. Wer uns Idealismus und Realitätsferne vorwirft, dem sagen wir: Du hast kapituliert vor dem Unrecht. Du richtest es Dir gemütlich oder zumindest erträglich ein in einem Scheiß-System, weil Du privilegiert oder noch nicht gründlich genug auf die Schnauze gefallen bist, weil Du Unangenehmes ausblendest. Du bist unsolidarisch mit denen, die auf der Hierarchie-Leiter unter Dir stehen. Du betrügst Dich und schadest Dir selber, weil Du Dein Mitgefühl verloren, Deine Menschlichkeit ein Stück weit aufgegeben hast. Es mangelt Dir an Phantasie und geschichtlichem Wissen. Denk‘ mal groß! Das Leben könnte so schön sein wie eine Rose, wenn nur das Patriarchat nicht wäre.

Fleisch ist kein Gemüse

Speziesismus ist der Sexismus gegen Tiere

Wenn wir mal ehrlich sind, so waren die ersten Opfer des Patriarchats nicht wir Frauen, sondern die Tiere, zumindest jene, die fortan den Namen ‚Nutztiere‘ bekamen, als wären sie irgendwie andersartige Tiere und um ihre Ausbeutung zu rechtfertigen. So begann die Viehhaltung vor rund zehntausend Jahren in der Jungsteinzeit (etwa 8200 – 6200 v. Chr.), unsere eigene Unterordnung Gerda Lerner zufolge aber erst fünftausend Jahre später (ca. 3100 – 600 v. Chr.). Und wenn wir weiterhin ehrlich sind, so haben wir Frauen an deren Ausbeutung fleißig mitgewirkt, dabei waren Tiere nie schlecht zu uns, sind uns nie in den Rücken gefallen. Es ist höchste Zeit, dass wir uns selber in ihnen wiedererkennen, die Parallelen zu unserer eigenen Unterdrückung sehen, uns mit ihnen solidarisieren, ihre Ausbeutung nicht länger mitbetreiben, sie aus ihrer Gefangenschaft befreien.

vegane Ernährung

Der Konsum tierischer Lebensmittel mag früher einmal lebensnotwendig gewesen sein, heutzutage ist er es nicht mehr – zumindest nicht in den wohlhabenden Gegenden dieser Welt. Ein Verzicht auf sie wäre ohne Schaden ohne weiteres möglich, wenn es denn nur gewollt wäre. Das Argument mit dem Vitamin B12 zieht nicht. Einzig Bakterien sind in der Lage, dieses Vitamin zu produzieren. Das heißt, Tiere müssen es genauso mit der Nahrung aufnehmen wie wir Menschen. Dies passiert natürlicherweise über die Aufnahme von Erde mit all den Bodenbakterien, industriellerweise über künstliche Anreicherung des Tierfutters. Wir Menschen könnten also genauso gut Erde essen anstelle getöteter Tiere oder – da wir ja von Mutter Erde sehr entfremdet sind – Nahrungsergänzungsmittel. Was ist die Einnahme letzterer schon im Vergleich zu all dem Tierleid?

Radikalfeminismus bedeutet Solidarität mit Tieren

Vegetarische Ernährung kann ein Anfang sein, konsequent ist diese Ernährungsweise aber nicht. Wo bleibt da die Solidarität mit all den Mutterkühen, denen kurz nach der Geburt ihre Kälbchen weggenommen werden, die wegen übergroßer Euter unter chronischen Gelenkentzündungen leiden und im Zeitraffer voraltern? Wo die Solidarität mit den Kälbern, die man absichtlich verhungern lässt, weil sie nicht rentabel sind, oder die nach einem kurzen traurigen Leben auf dem Schlachthof landen oder die ein tristes Milchmaschinenleben erwartet wie ihre Mütter? Wo bleibt da die Solidarität mit all den eingesperrten Legehennen oder männlichen Küken, die der Kapitalismus nicht verwerten kann und sie wie Abfall schreddert? Romantische Vorstellungen von „artgerechter“ Tierhaltung helfen da nicht weiter – eingesperrt und beherrscht bleiben die Tiere trotzdem, ob als Nahrung, Unterhaltung oder Versuchskaninchen für den Menschen. Wer gegen seine eigene Unterdrückung kämpft, kann nicht die Unterdrückung anderer leidensfähiger, sozialer Wesen billigend in Kauf nehmen oder gar wollen.