Politikerinnen sind Patriarchatsgehilfinnen

Feministisch-anarchistischer Aufruf zum Wahlboykott – Teil 2

Liebe gescheite Frauen, emanzipierte Männer, solidarische Intersexuelle,

es stehen Wahlen bevor. Als Anarchafeministinnen sind wir selbstverständlich dagegen. Warum? Weil Macht immer und alle korrumpiert. Frauen sind da keine Ausnahme, wie uns folgende Beispiele zeigen werden. Die Losung, Männer auf mächtigen Posten gegen Frauen auszutauschen in der Annahme, dann würde alles gut, hat sich als gewaltiger feministischer Irrtum erwiesen. Um gleich unseren Kritikerinnen den Wind aus den Segeln zu nehmen: Wir präsentieren Euch diese Beispiele nicht, weil wir Nestbeschmutzerinnen oder Antifeministinnen sind, sondern um der Lebenslüge des Mainstream-Feminismus, Macht müsse nur gleich verteilt werden, Einhalt zu gebieten und die Blindheit zu entlarven gegenüber der Tatsache, dass Staaten hierarchisch-patriarchale Konstrukte und deshalb von feministischer Seite zu bekämpfen sind, nicht paritätisch zu besetzen oder zu reparieren.

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Feministisch-anarchistischer Aufruf zum Wahlboykott

Warum Radikalfeministinnen nicht wählen sollten

Ende Mai stehen wieder Wahlen bevor: das Europa-Parlament und die Bremische Bürgerschaft. An den von Parteiplakaten eingesäumten Straßen folgt eine nichtssagende Floskel der anderen. Sie sind austauschbar genauso wie die Parteien an sich, wenn sie erst einmal an der Macht sind. Das haben die einst säugenden, Norweger-Pulli tragenden Grünen mit am eindrücklichsten bewiesen. Doch haben wir bereits in der Schule gelernt, wie wichtig es sei, wählen zu gehen, obwohl eigentlich alle Erwachsenen ständig am Fluchen waren über diese unfähigen Politiker. Wir haben uns die Mühe gemacht, die am häufigsten angeführten Gründe, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen, zu sammeln, zu analysieren und anarchafeministisch zu zerlegen.

Methode Nr. 1: einlullen

Da ist die Rede von (mit-)bestimmen, gestalten, Einfluss nehmen auf unsere Zukunft, unsere Heimat, die Gesetze und Staatsausgaben. Unsere Stimmen seien wichtig, wir seien wichtig… Am Arsch, liebe FreundInnen! Lasst Euch davon nicht umsäuseln. Die beste Antwort auf diese Bullshit-Argumentation geben derzeit die SchülerInnen der Fridays-for-Future-Aktionen, deren Zukunft auf dem Spiel steht, weil Politik ein korruptes Geschäft ist. Denn wann durften wir eigentlich das letzte Mal über die Abholzung von Urwäldern zur Braunkohleförderung entscheiden? Wann durften wir das letzte Mal auf Abgashöchstwerte in den Städten Einfluss nehmen? Wann durften wir das letzte Mal darüber entscheiden, ob in der ohnehin dicht bebauten Siedlung das letzte Rasenstück, das bislang unseren Kindern als Spielfläche diente, einem weiteren Betonklotz weichen muss oder anstelle dessen eine seit Ewigkeiten brach liegende Gewerbefläche? Wann durften wir das letzte Mal darüber entscheiden, ob auf einem ehemaligen Zwangsarbeitergelände ein Großbordell entsteht? Wann durften wir das letzte Mal über unsere Arbeitszeit und unseren Lohn bestimmen? – Wichtig sind wir immer nur dann, wenn man etwas von uns will, nicht, wenn wir etwas wollen.

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