Paranoide Schizophrenie – der patriarchale Wahnsinn

Ein Nachruf auf meinen Vetter und eine Gesellschaftskritik

Kürzlich verstarbst Du, mein Cousin. Du littst unter paranoider Schizophrenie. Oder war es doch eher unsere kaputte Gesellschaft, das Patriarchat, was Dich erst Deinen Verstand und dann Dein Leben kostete? Dein Tod hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe versucht, mir Dein Verhalten zu erklären.

Du warst ein lebensfroher Typ, Partygänger, immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Und ein Mädchenschwarm, der keine Gelegenheit ausließ, so kam es mir vor. Dass der frühe Tod Deines Vaters Dich verletzlich gemacht hatte, ahnte ich damals noch nicht.

Deine Erkrankung kam schleichend. Nicht lange nach der Geburt Eurer Tochter, trennte sich Deine Freundin von Dir. Da hatte sich Dein Wesen für sie wohl schon merklich verändert. Du unterstelltest ihr, Dich betrogen zu haben. Das Kind sei gar nicht von Dir. Sprach da die tief sitzende Angst eines Mannes, zum Gespött der Leute zu werden als gehörnter Depp mit einem untergeschobenen Kuckuckskind?

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Untervögelt oder unterbelichtet? *

Wann immer es Frauen wagen, gegen patriarchale Auswüchse aufzubegehren – insbesondere, wenn es um Sexualität geht –, bellen die getroffenen Hunde zurück mit „Ihr seid ja nur zu prüde/frigide“, „Ihr braucht mal ’nen Schwanz zwischen die Beine“, „Ihr müsst mal richtig durchgefickt werden“ oder eben in der neuen, etwas keckeren Variante „Ihr seid untervögelt“. So wie neulich auf der facebook-Seite des Fußballvereins SV Oberwürzbach. Der Verein wollte sich von einem Pornofilm-Produzenten sponsoren und hierzu den Namen der Hauptdarstellerin auf seine Trikots drucken lassen und handelte sich damit heftige Kritik ein. Dass es in dieser Reihe einen Film gibt mit dem Titel „Inzest – Papa dein Schwanz ist zu groß“, setzte dem ganzen die Krone auf.

Von Unrechtsbewusstsein keine Spur, stattdessen die Infragestellung oder vielmehr das Absprechen eines intakten Sexuallebens der Kritikerinnen.

Ihr getroffenen Hunde wollt den Status „untervögelt“ also einreihen in ‚unterernährt‘, ‚unterwässert‘, ‚unterkühlt‘, ‚übermüdet‘ oder ‚unterversorgt‘ mit Luft und Liebe – alles potentiell lebensbedrohliche Zustände. An Sexmangel ist aber, soweit mir bekannt, noch niemand gestorben. Doch es ist schon klar, was Ihr uns mit „untervögelt“ sagen wollt: dass wir Menschen sind, die wegen Sexmangels schlecht gelaunt sind, sich über Kleinigkeiten aufregen, chronisch unzufrieden und nörgelig, vielleicht sogar hysterisch sind – Frustrierte eben. Mal davon abgesehen, dass mir tagtäglich sehr viele solcher Leute begegnen und die Menschheit demzufolge schon so gut wie ausgestorben sein müsste, kann ich dazu nur sagen: Besonders beglückend ist das Leben für Frauen im Patriarchat auch nicht. Die Frage lautet insofern: Bin ich wenigstens selbstbestimmt „untervögelt“ oder fremdbestimmt „be-vögelt“? Habe ich lieber keinen Sex oder schlechten?

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Aufgeklärt – Göttin sei Dank

Eine Religionskritik

Religionen schaffen geistige Gefängnisse. Sie sind eine bösartige Erfindung von Eliten, um uns zu manipulieren, einzuschüchtern, zu kontrollieren, zu beherrschen; ein Produkt des Patriarchats. Religion ist Opium fürs Volk, also ein Betäubungsmittel, das Menschen fügsam machen soll, das Menschen davon abhalten soll, ihr Leben zu hinterfragen und Widerstand zu leisten gegen ihre Fremdbestimmung. Religionen sind irdisch, nicht göttlich. Sie sind die Feindinnen der Aufklärung und des gesunden Menschenverstandes und allesamt der Gleichberechtigung. Glauben ist Privatsache.

Radikalfeminismus heißt Atheismus

Wir haben nichts gegen Spiritualität. Sie kann helfen, mit Dingen umzugehen, die man nicht versteht, Halt geben in schwierigen Phasen. Wir haben auch nichts dagegen, die Schönheit der Natur als etwas Göttliches zu preisen, im Gegenteil. Im Gegensatz zu Religionen ist beides aber nicht institutionalisiert, nicht autoritär. Mehr haben wir zu diesem Religionsschmonzes nicht zu sagen und verweisen auf eine Rede des Religionskritikers Philipp Möller: https://www.youtube.com/watch?v=PV8tUv-6X8Q

Sonderfall Kopftuch
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Es kann nur einen Feminismus geben – und der ist radikal

Ein Feminismus, der nicht radikal bis an die Wurzel geht, ist für uns kein vollendeter, weil er nicht konsequent ist. Wer den Radikalfeminismus konsequent zu Ende denkt, landet bei der Anarchie, die eben nicht verleumderisch Chaos bedeutet, sondern Freiheit und Selbstorganisation ohne Autoritäten.

Wir möchten das Übel, das uns unserer Freiheit beraubt, an der Wurzel packen, das Patriarchat, das hierarchische Herrschaftssystem, das uns gefangen hält, nicht leugnen, nicht schön reden, nicht reformieren, sondern abschaffen. Des Übels Wurzel, das ist für uns die Sexobjektifizierung von Mädchen und Frauen; das sind korsettartige, einengende gesellschaftliche Rollenzuschreibungen für Frauen, aber auch für Männer; das ist für uns die Religion, die als Gegnerin der Aufklärung Menschen verblödet und unterwirft; das ist für uns der selbsternannte Staat, der Ungleichheit nur da beendet, wo es der Elite nicht grundlegend schadet, sie ansonsten aber zementiert und stetig erneuert und uns das als Rechtmäßigkeit verkaufen will; das ist für uns die Entwertung von Tieren und ihren Lebensräumen, was die Menschheit verrohen lässt, sie von der Natur entfremdet und ihre eigene, also unser aller Lebensgrundlage zerstört.

Wir solidarisieren uns mit allen, die ebenfalls unter diesem Herrschaftssystem leiden und es revolutionieren wollen, solange sie die Unterdrückung der Frauen (ohne * als eigenständige Gruppe) anerkennen. Wer uns Idealismus und Realitätsferne vorwirft, dem sagen wir: Du hast kapituliert vor dem Unrecht. Du richtest es Dir gemütlich oder zumindest erträglich ein in einem Scheiß-System, weil Du privilegiert oder noch nicht gründlich genug auf die Schnauze gefallen bist, weil Du Unangenehmes ausblendest. Du bist unsolidarisch mit denen, die auf der Hierarchie-Leiter unter Dir stehen. Du betrügst Dich und schadest Dir selber, weil Du Dein Mitgefühl verloren, Deine Menschlichkeit ein Stück weit aufgegeben hast. Es mangelt Dir an Phantasie und geschichtlichem Wissen. Denk‘ mal groß! Das Leben könnte so schön sein wie eine Rose, wenn nur das Patriarchat nicht wäre.

Fleisch ist kein Gemüse

Speziesismus ist der Sexismus gegen Tiere

Wenn wir mal ehrlich sind, so waren die ersten Opfer des Patriarchats nicht wir Frauen, sondern die Tiere, zumindest jene, die fortan den Namen ‚Nutztiere‘ bekamen, als wären sie irgendwie andersartige Tiere und um ihre Ausbeutung zu rechtfertigen. So begann die Viehhaltung vor rund zehntausend Jahren in der Jungsteinzeit (etwa 8200 – 6200 v. Chr.), unsere eigene Unterordnung Gerda Lerner zufolge aber erst fünftausend Jahre später (ca. 3100 – 600 v. Chr.). Und wenn wir weiterhin ehrlich sind, so haben wir Frauen an deren Ausbeutung fleißig mitgewirkt, dabei waren Tiere nie schlecht zu uns, sind uns nie in den Rücken gefallen. Es ist höchste Zeit, dass wir uns selber in ihnen wiedererkennen, die Parallelen zu unserer eigenen Unterdrückung sehen, uns mit ihnen solidarisieren, ihre Ausbeutung nicht länger mitbetreiben, sie aus ihrer Gefangenschaft befreien.

vegane Ernährung

Der Konsum tierischer Lebensmittel mag früher einmal lebensnotwendig gewesen sein, heutzutage ist er es nicht mehr – zumindest nicht in den wohlhabenden Gegenden dieser Welt. Ein Verzicht auf sie wäre ohne Schaden ohne weiteres möglich, wenn es denn nur gewollt wäre. Das Argument mit dem Vitamin B12 zieht nicht. Einzig Bakterien sind in der Lage, dieses Vitamin zu produzieren. Das heißt, Tiere müssen es genauso mit der Nahrung aufnehmen wie wir Menschen. Dies passiert natürlicherweise über die Aufnahme von Erde mit all den Bodenbakterien, industriellerweise über künstliche Anreicherung des Tierfutters. Wir Menschen könnten also genauso gut Erde essen anstelle getöteter Tiere oder – da wir ja von Mutter Erde sehr entfremdet sind – Nahrungsergänzungsmittel. Was ist die Einnahme letzterer schon im Vergleich zu all dem Tierleid?

Radikalfeminismus bedeutet Solidarität mit Tieren

Vegetarische Ernährung kann ein Anfang sein, konsequent ist diese Ernährungsweise aber nicht. Wo bleibt da die Solidarität mit all den Mutterkühen, denen kurz nach der Geburt ihre Kälbchen weggenommen werden, die wegen übergroßer Euter unter chronischen Gelenkentzündungen leiden und im Zeitraffer voraltern? Wo die Solidarität mit den Kälbern, die man absichtlich verhungern lässt, weil sie nicht rentabel sind, oder die nach einem kurzen traurigen Leben auf dem Schlachthof landen oder die ein tristes Milchmaschinenleben erwartet wie ihre Mütter? Wo bleibt da die Solidarität mit all den eingesperrten Legehennen oder männlichen Küken, die der Kapitalismus nicht verwerten kann und sie wie Abfall schreddert? Romantische Vorstellungen von „artgerechter“ Tierhaltung helfen da nicht weiter – eingesperrt und beherrscht bleiben die Tiere trotzdem, ob als Nahrung, Unterhaltung oder Versuchskaninchen für den Menschen. Wer gegen seine eigene Unterdrückung kämpft, kann nicht die Unterdrückung anderer leidensfähiger, sozialer Wesen billigend in Kauf nehmen oder gar wollen.